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Die Transformation dieser Gesellschaft ist alternativlos. Wir haben keine Wahl, wenn es um die Zukunft geht.

Wählen ist bisher in unserem demokratischen System die einzige Möglichkeit mitzubestimmen, wer unser Land in den nächsten vier Jahren regiert. Punkt. Trotzdem empfehle ich denjenigen, die Bauchschmerzen haben die Bücher „Gegen Wahlen“ von David van Reybrouck, einem belgischen Autor (Bestseller „Kongo – Geschichte der Kolonisation und die Folgen“) und dem Niederländer Rutger Bregmann – Utopien für Realisten), die das Gegenteil von Verweigerern oder Querdenkern sind, sondern explizit machbare Alternativen aufzeigen, wie in einer marktwirtschaftlichen Demokratie Politik auch im wahren Sinne der Demokratie gestaltet werden kann. Diese Wahl zeigt jetzt schon, wie die Defizite demokratischer Wahlprozesse sichtbar werden. Jeder und jede hat eine Stimme, die so kostbar ist, weil damit das placet gegeben wird, welche Politik in den nächsten vier Jahren gemacht werden kann, ohne dass der Bürger im Prinzip die Möglichkeit besitzt, nach seiner Stimmabgabe sich noch aktiv in den wichtigen Prozessen einer gesellschaftlichen Umorientierung einzubringen. Wir sehen ein Kopf an Kopf Rennen von drei Parteien, wobei noch nicht entschieden ist, wer am Ende die Nase vorn hat. Das Dilemma folgt danach: Welche Koalition wird gebildet und ist willens und fähig, die Herausforderungen der Zukunft, vor allem des Klimawandels anzupacken. Letztes Beispiel: Ein gewählter republikanischer Gouverneur in Texas lässt ein Abtreibungsverbot absegnen, das es in sich hat. Wenn die Herztöne des Fötus nach ca. 6 Wochen zu hören sind, ist eine Abtreibung eine Straftat, selbst bei Vergewaltigungsopfer. Zusätzlich wird jede Unterstützung und jedes Wissen über eine Tat auf die Bürger abgewälzt, die somit zu Denunziationen angestiftet werden, jeden noch so dubiosen Verdacht zu melden. Vielen ultra-konservativen Wählern wird das gefallen, den Frauen und den meisten Wählern, die ethisch nicht so verkommen sind, aber nicht.
Eine Stimme, die jeder hat, zieht derartige Entscheidungen nach sich.

Diesen Blog schreibe ich in Etappen, aber ich beabsichtige den Text Anfang September zu veröffentlichen. Es geht bei dieser Wahl um die Weichenstellung für die Zukunft, die vom Kampf gegen die Auswirkungen und Ursachen des vom Menschen verantworteten Klimawandels geprägt sind. Obwohl alle Parteien genau wissen, dass keine Zeit mehr zu vergeuden ist, streiten sie sich in ihren Programmen darum, wer dem Wähler die besten und effektivsten Lösungen anbieten und denunzieren sich gegenseitig, indem sie den jeweilig anderen die Kompetenz bestreiten. Dabei geht es um so viel, um viel mehr als jemals zuvor im deutschen Nachkriegsstaat, und die ermüdenden Debattengeplänkel in den Medien, vor allem im Fernsehen lassen bei vielen nur noch Ratlosigkeit aufkommen. Konservative Zeitschriften bedienen sich wieder der längst verfemten Mittel der Verunglimpfung und kaum versteckter Hetze. Wer die Texte in der FAZ beispielsweise genauer liest und die Semantik analysiert, merkt sofort, es soll bei der konservativen Herrschaft, möglichst mit CDU, bleiben, auch wenn diese Partei niemals zu einer einigermaßen zufriedenstellenden Mehrheit kommen wird. Wahrscheinlicher werden Dreierkoalitionen sein, die schon vorher durch ideologisierte Unvereinbarkeiten und diametrales Lagerdenken geprägt sind. Die alte Leier der „Roten Socken“ wird zwar nicht öffentlich propagiert, aber hinter vorgehaltener Hand gemeint. Eines ist sicher und das hat die GroKo deutlich gemacht, so kann es nicht weitergehen. Die aktuellen Ereignisse wie die Folgen der Flutkatastrophen in NRW und Rheinland-Pfalz, die vierte Delta-Welle der CoViD Pandemie, die Impfverweigerung oder das Desaster in Afghanistan werden dieser Wahl ebenso den Stempel aufdrücken wie der unvermeidliche Kampf gegen die Zerstörung der Erde. Das sind Gründe, die mich bewogen haben, immer wieder zu schreiben. Außerdem bereite ich meine Klimaausstellung vor und habe mit dem Wuppertal-Institut und Herrn Professor Fischedick einen ersten ernst zu nehmenden Unterstützer gefunden.

(Randbemerkung: Der perfide und erpresserische Aufruf des Kaiser Wilhelm II 1914 „ „Ich kenne keine Parteien mehr, ich kenne nur noch Deutsche“ könnte positiv besetzt heute auch anders formuliert werden: Wir sind unterschiedliche Parteien, aber wir kämpfen gemeinsam gegen die Folgen des Klimawandels.“

Seitdem die Bundeskanzlerin angekündigt hat, dass sie 2021 nicht mehr zur Wahl stehen wird und seitdem mit dieser Aussage klar wurde, dass damit nach ihrer dann 16jährigen Regierungszeit ein Epochen- und auch Paradigmenwechsel am Horizont dieses Landes sichtbar wurde, seitdem fiel die gesamte deutsche Politiklandschaft in das tiefe Tal der Ungewissheit und ein absurdes Vorwahlkampfspektakel sorgte nicht nur für Amüsement.

Die Ankündigung von Angela Merkel zur Demission als Parteivorsitzende der CDU mit dem darauf folgenden Verzicht auf eine erneute Kanzlerinkandidatur 2021 leitete eine dreijährige Phase nicht vorhersehbarer Ereignisse ein, die Deutschlands Planungen für die Zukunft elementar durcheinanderwirbelten, obwohl alle schon seit Jahren wissen, dass sich sehr viel ändern muss. Es war der 29. Oktober 2018, der alles veränderte. Ein Auslöser war sicherlich die Hessenwahl, bei der die CDU Verluste hinnehmen musste, die bei vielen Mitgliedern des inneren Machtzirkels für Aufregung sorgten und Planspiele in der Ursachenforschung nach sich zogen. CDU und SPD, die beiden sich immer noch als große Volksparteien bezeichnenden Politdinosaurier der Nachkriegspolitik verloren 11,3 Prozent (CDU) und 10,9 Prozent (SPD), während sich die Grünen mit 8,7 Prozent auf 19,8 Prozent hochkatapultierten und gleichauf mit der SPD lagen. Schon hier deutete sich ein kommender Paradigmenwechsel an, der sich in den nächsten Jahren bewahrheiten sollte. Auch der Zuwachs der AfD um 9 Prozent auf 13,1 Prozent ließ alle Alarmglocken Stakkato läuten. Mit der AfD, die schon in der Bundestagswahl als stärkste Oppositionsgruppe in die heiligen Hallen im alten Reichstag eingezogen waren, saß nun endgültig der braune Elefant im Raum, der sich nur blau verkleidet hatte. Weil die Linken und die FDP auch mit 5 Prozent Zuwachs ins hessische Parlament einzogen, feierten sich Grüne, AfD, Linke und FDP in den Panoptikumveranstaltungen am Wahlabend großmäulig als Gewinner, wie dieses Ritual der Selbstbeweihräucherung seit eh und je ritualisiert wird. Schon die Landtagswahlen in Bayern 2018, in Brandenburg, in Sachsen Anhalt und in Thüringen (zwischen 2017 und 2021) waren eindeutig als rot/gelbe Karte für die beiden immer regierenden Parteien zu werten, während in Niedersachsen und Rheinland-Pfalz die SPD zulegen konnte und als Gewinner des Volkswillen die Bühne betraten. In Baden Württemberg gewann erneut der Landesgroßvater Kretschmann und die Kandidaten von SPD und CDU mussten wieder einmal erkennen, dass das Volk im eigentlich liberal-konservativen Ländle die Nase gestrichen voll hatte. Die AfD war aber immer dabei und landete in Thüringen sogar den Coup einen etwas verwirrten FDP-Kandidaten für drei Tage zum Ministerpräsidenten zu küren. Der kleine Höcke-Putsch mit der naiv agierenden Liberaltruppe aus der FDP. In NRW verlor zwar die SPD ordentlich und auch die Grünen stürzten ab, aber trotz Zugewinnen lag Laschets Truppe nur 2 Prozentpunkte vor den Sozis und die FDP sich auf über 12 Prozent steigern konnten, während die Linke mit 4,9 Prozent scheiterte und auch die Grünen eine Watsche abbekamen, konnte der kleine Armin mit den Liberalen (? mit Markt) eine Regierung zusammenschustern. 0,1 Prozent entschieden über eine Sitzverteilung im Düsseldorfer Parlament, denn derzeitig regiert der neue Kanzlerkandidat der CDU lediglich mit 1 Stimme Mehrheit, auch weil der braune Elefant ein paar Bänke gekapert hatte. Bei neueren Wahlumfragen in NRW liegt die CDU weit hinter der SPD und den Grünen. Aber NRW ist nur insofern Thema, als dass der Spitzenkandidat der CDU A. Laschet seit vielen Wochen nicht nur eine etwas desorientierte Figur abgibt, sondern auch eigentümlich widersprüchlich agiert. Interessant scheint mir die Frage zu sein, wie es mit Laschet und der CDU weitergehen soll, wenn er das Ziel des Kanzleramtes verfehlt, nicht über Los gegangen ist und irgendwie im freien Raum schwebt. NRW-Bürger müssen sich bald (2022) mit neuen Wahlunterlagen herumquälen und wenn es mit Laschet so abwärts weitergeht, taucht die Frage auf, was macht er dann. Er hat angekündigt, im Falle einer Niederlage, wie auch immer diese aussehen wird oder in der Bewertung der CDU-Gremien ankommt, Oppositionsführer im Bundestags-Parlament zu werden. Oder bleibt er trotz aller Beteuerungen und Widerstände auf den Regierungsstuhl kleben, weil innerhalb der NRW-CDU keine Alternative zu finden ist? Reul, Laumann oder Merz? Bleibt er, muss er in den nächsten Wahlkampf ziehen, wird er zurück getreten, was der CDU in NRW bei der nächsten Abstimmung schlecht bekommen würde, stolpert er sehendes Auges in die nächste Niederlage. Vieles ist ungewiss, Laschet schleppt eine schwere Last mit sich herum, das weiß er und das wissen seine parteiinternen Freunde und Gegner. In diesem Zusammenhang sei auf seinen NRW-Berater Nathanael Liminski hingewiesen, der vor allem von seinen Gegnern wegen seiner erzkatholischen Haltung und der Nähe zum Opus Dei angefeindet wird. Was an seiner Opus Dei Nähe dran ist, wird gut verschleiert, Tatsache aber sind recht eindeutige Aussagen in der Vergangenheit und dass sein Vater dem Opus Dei verbunden war. Wenn ich mir vorstelle, dass ein derartiger Homophober, Abtreibungsgegner und Fundamentalist mit Laschet ins Kanzleramt einzieht, wird mir ganz übel. Der Mann ist sogar im ZDF-Fernsehrat, was vielen liberalen und linken Publizisten und Journalisten versagt blieb. Dessen Stellung neben Laschet könnte vielen vor der Wahl schlecht aufstoßen, weil das Erzbistum Köln genug mit seinem Kardinal Woelki und den Missbrauchsskandalen in der Priesterschaft sowie einer Besorgnis erregenden Austrittswelle geschlagen ist. Im katholisch geprägten Aachen hatte der Aachener Laschet keine Chance als CDU Grande gewählt zu werden, deshalb hat er sein persönliche Mandat auch abgelehnt und einem anderen Parteifreund überlassen und sich den besten Platz auf der Landesliste gesichert. Armin, der Emporkömmling aus einem Bergarbeiterhaushalt, mag so gestelzt lustig wie ein Karnevalsprinz einherkommen, ernst nehmen kann ich ihn nicht, was auch mit den vielen Fettnäpfchen in seiner Vergangenheit verbunden ist. Man nehme nur die Schlampigkeit der Klausurprüfung mit diversen Unregelmäßigkeiten bei den Notenprüfungen, während seiner 16jährigen Visite als Gastdozent an der TH. Aber völlig abschreiben kann ich ihn auch nicht, die ländlichen, konservativen und älteren CDUler sind in Treue und Glauben der Partei streng ergeben. Ob diese Menschen wissen, dass er in der jüngeren Vergangenheit bewusst des öfteren die Wahrheit vermieden hat und zumindest viele wichtige CDU-Positionen über nachweisliche Fehler verschwiegen oder verdreht hat, ist mir unbekannt?

Teil 1 zu lesen, wer mag

Das Amt des CDU-Vorsitzenden wird schon lange von Merz belauert, auch Röttgen wird sich wieder Hoffnung machen und wer weiß, welcher Unterbezirksgrande auch noch Hoffnungen macht, klammheimlich nach ganz oben zu streben. Scheitert Laschet, ist auch sein Generalsekretär Ziemiak stark gefährdet (guter Freund von Liminski), allerdings kann Ralf Brinkhaus, der schon als Fraktionsvorsitzender wie aus dem Nichts auftauchte, in dem Gemenge eine passable Performance hinlegen, die von den Delegierten auch goutiert wird.

Wäre noch die FDP, die ewige liberal verkleidete neoliberale Klientelgruppe des reicheren Mittelstandes. Mit Pinkwart, Gebauer und Stamp hat sie aktuell drei Ministerposten bekleiden dürfen, die aber in der bisherigen Regierungszeit hinter allen Erwartungen zurückgeblieben sind. Allein Frau Yvonne Gebauer pflegt immer wieder einen eigentümlichen Meinungstango, zwei Schritt vor, ein Schritt zurück, lange stumm stehen bleiben und letztendlich wieder alles fallenlassen. Ihre Rolle als Schulministerin war von Nebelkerzen und Unterlassungen begleitet und in der Pandemie hat sie zumindest sehr vielen Eltern ein wütendes Emporkochen in deren Gefühlshaushalten beschert. Aber warten wir es ab. Niemals darf der große Parteiretter Lindner vergessen werden, der sich ohne Gesichtszuckungen zutraut, Finanzminister in einer Regierung Laschet zu werden. Mit Geld konnte die FDP schon immer umgehen, man erinnere sich nur an den Grafen Lambsdorff und einen seiner Vorgänger, den schönen Erich. Die FDP und deren Achterbahnfahrt in den letzten 70 Jahren wird solange weitergehen, wie die Gerechtigkeitsfrage und die auseinanderklaffende Schere der Einkommen nicht geändert wird. Dieses Mal lauert Lindner auf Stimmengeschenke von enttäuschten CDU-Wählern, um ihr Bäumchen Bäumchen Wechsel mich Spiel auch in Zukunft fortsetzen zu können. Inzwischen hat aber die SPD mit Olaf Scholz oder sollte man besser sagen Olaf Scholz ohne SPD in den prognostizierten Umfragen die CDU eingeholt und auch kurz überholt. Sollte Scholz die Nase vorne haben, muss man kein Zukunftsforscher sein, um die Drehung des Fähnchens der FDP im Wind richtig vorauszusagen. Manche munkeln schon über Annäherungen zwischen Grünen und Liberalen, auch wenn der von der FDP ausgehobene Graben noch sehr tief ist. Lindner versteht sich ganz gut mit Cem Özdemir, der von den Grünen als gewandter Talkshow-Diskutant inzwischen auf allen Kanälen zu sehen ist. Özdemir, der türkisch stämmige Schwabe, wie er es mantraartig immer wieder einstreut, kommt aus Baden-Württemberg und wer aus diesem Bundesland kommt, muss per se immer aufpassen, die Autoindustrie nicht vollends zu vergrätzen. Kretschmann hat das vorgemacht und wer hätte sich vor 40 Jahren vorstellen können, dass der Linke mit der ausgeprägten Stimmlage einmal Ministerpräsident werden würde. Das beweist, alles ist möglich und erinnert an Joschka Fischers „Mit Verlaub Herr Präsident, Sie sind ein Arschloch“. 1984 war das, eine denkwürdige Jahreszahl, wie es belesene Menschen wissen sollten. Laut Umfragen verfängt Lindners young-stylish-Performance bei vielen Jüngeren bis Ende zwanzig. Wie man weiß braucht Neoliberalismus kein Alter, der Sponsor Windthorst von Hertha BSC war so ein Wunderknabe der Geldvermehrung, Oliver Kahn hat jetzt bei Bayern München die Zügel in der Hand, die Zalandos haben es schnell zu großem Reichtum gebracht. Vorgemacht haben es Zuckerberg und die anderen Superstars des Digitalkapitalismus. Dreitagebart, Maßanzüge, Porsche und die Coolness des smarten Aufsteigers. Das imponiert sicherlich einigen, die entweder aus gutem Hause stammen, einem Haus, in dem Geld keine Rolle spielt und die Sozialisation im Zeichen von Wohlstand und Kapital stand. Und dahin wollen noch einige, die schon früh bei den Jungliberalen eingestiegen sind und vorhaben, in ein gutes Haus kommen zu wollen.

Zwischenruf: Die europäische Fußballvereine der Spitzenklasse, die allesamt im Besitz irgendwelcher Oligarchen, Nahost-Prinzen oder US-Milliardäre sind, wie da sind Clubs wie Manchester City, Manchester United, Liverpool. Chelsea, Arsenal oder Paris St. Germain und natürlich Real Madrid haben 40 Milliarden für Personal berappt, die scheinbar zu den weltbesten Fußballern gehören. Jetzt ging Ronaldo wieder nach England und Mbappe soll für 140 Millionen bei Real die Titelsucht befriedigen. Der Kommentar ist ganz einfach: obszön, moralisch verdorben und außerhalb jeder Realität im Vergleich zu denjenigen, die sich Fans nennen und Jahr für Jahr ins Stadion rennen, um mit ihren überschaubaren Verdienstmöglichkeiten jenen zu zujubeln, die von ihnen selbst zu Halbgöttern emporgehoben wurden.

Was im Moment kaum jemand für möglich hält, dass Annalena Baerbock wieder ihr Profil zurückgewinnt und in der Gunst der Veränderungswilligen wieder Punkte zulegt, ist in gleich welcher Konstellation einer Außenseiterchance immer noch möglich. Sie scheint sich gefangen zu haben, was für eine Frau, die dermaßen von BILD, FAZ, den sozialen Dreckschleudern und Co. frontal angegriffen wurde, kann nur als widerlich und latent frauenfeindlich eingestuft werden. Sie hat Fehler begangen, aber keinen Geheimnisverrat begangen, sie hat kein Tafelsilber geklaut, keine Affäre mit einem Kommunisten gehabt, keine Korruption begangen und nur ganz ordentlich geschlampt was ihre Person und parteiinterne Einkünfte betraf. Dass sie dieses überflüssige Buch geschrieben hat lassen, ist Naivität oder Dummheit und zeugt von schlechter Beratung ihrer eigenen Parteifreundinnen. Ausgerechnet vor der Wahl muss das nicht sein. Der Plagiatsjäger aus Österreich wühlte sich in den Text und gab ein absonderliches Bild eines Anklägers ab, um eine Lawine der Verunglimpfungen auszulösen. Verweist der informierte Bürger auf einige Maskenaffären, an denen sich CDU-CSU-Parlamentarier ordentlich bereichert haben, in die auch Spahn und Laschet bzw. dessen Sohn verwickelt waren. Diese Verfehlungen wiegen wesentlich schwerer und befinden sich in der Nähe der Kriminalität. Robert Habeck macht seine Sache gut, wirkt authentisch und versucht akribisch, aber nicht intellektuell überdidelt auch komplizierte Sachverhalte verständlich zu erklären. Er wirkt authentisch und kommt für viele als ehrlich rüber. Auch wenn der Wahlkampffernsehspot mit dem umgedichteten Volkslied „Wo wir uns finden, wohl unter Linden“ bei den Konservativen und vielen sich intellektuell gerierenden Jungparvenüs aus dem Akademikerblasen belächelt und verhöhnt wurde, sehe ich als ehemaliger Werber diesen Spot als Coup an, den der verantwortliche Bundesgeschäftsführer Michael Kellner auf eine genau definierte Zielgruppe der Älteren abzielte, auch wenn viele Antipoden aus der Partei gemeint haben, dass die 60-80jährigen eher mit den Stones, Maffay oder Bob Dylan affin gewesen seien, vergessen sie, dass auf der Schwäbischen Alb, im Bayrischen Wald und in Nordfriesland viele Wähler eher traditionalistischer Musik zugewandt waren. Haben die Strategen Schützenfeste, Feuerwehrbälle oder Fronleichnamsprozessionen ganz vergessen und warum muss das ZDF Sonntag für Sonntag die kulturell grottige Mittagsshow Fernsehgarten zeigen, die erbärmlich niveauloses Liedgut aus der Schlagerrumpelkammer mit Massenklatschen präsentiert? Natürlich haben auch die Grünen ihre Stammwählerschaft und sind in Metropolen wie Hamburg, Berlin, Köln und München wie in größeren Städten mit Universitäten und Hochschulen besonders stark, aber wertkonservative Bürger, die vormals noch CDU oder SPD gewählt haben, könnten die Fronten wechseln. Außerdem sind viele Jungwähler, die wegen ihrer Zukunftsaussichten, die das Erleben einer Klimakatastrophe wahrscheinlich macht, besonders politisiert sind und in den Grünen die einzige Partei sehen, die ihnen besonders authentisch und glaubwürdig erscheint. Die Sprecherinnen von Fridays for Future äußern sich wesentlich radikaler als viele in der eigenen grünen Basis, aber kann ernsthaft angenommen werden, dass die jungens Protestierer CDU oder FDP ihr Kreuzchen schenken? Oder sich verweigern?

Teil 2 zu lesen, wer mag.

Der FDP stehen verzwickte Zeiten bevor. Aber im Taktieren haben die Altvorderen der FDP schon in ihrer langen Geschichte, seit 1949, immer wieder scheinbar Unmögliches zu ihren Gunsten gedreht. Schon in der ersten Regierung Adenauer stellten sie drei Minister und wie sich viele erinnern werden, gewann Adenauers Koalition mit 202 Stimmen bei 402 Abgeordneten. In den 72 Jahren Bundesrepublik und Deutschland einig Vaterland spielten sie sehr häufig das Zünglein an der Waage (Schlangen mit ihren herausgestreckten Zungen wiederholen unregelmäßige, schnelle Bewegungen, die sie rasch ausführen und vor- und zurückschnellen lassen) oder waren der Joker, der sich allen anbot. Zunächst hielten sie es bis 1960 mit der CDU, dann als deren zwischenzeitlicher Niedergang drohte, biederten sie sich der SPD an. Das ging so lange gut bis der Graf parteiintern putschte und Kohl zur Kanzlerschaft verhalf. Bis 1998 hielten sie einander die Treue, dann sorgte Rot-Grün für einen Wechsel, der sich als Intermezzo herausstellte, obwohl die CDU schon fast fertig hatte. Dann kam Angela und Basta Schröder. Den Zustand namens Angela erleben wir jetzt seit 16 Jahren. Die FDP schaffte mit Westerwelle ein Zwischenhoch, bis Herr Lindner den nachhaltigen und nachhallenden Satz von sich gab: „Lieber gar nicht regieren, als falsch regieren.“ Wo er sie sich nach dem Wahlabend befinden wird, ist völlig unklar. Alles ist möglich. Wie es aber zur Zeit aussieht, streben Lindner und seine Vasallen irgendeine Koalition an, welchen Namen sie trägt, wird ihnen gleichgültig sein.

Warum liste ich das alles so minutiös auf, warum habe ich mich in den Statistiken und offiziellen Ergebnisdiagrammen so eingefuchst, werden sich einige fragen. Weil schon kurz nach der Bildung der GroKo vielen klar wurde, dass dieses Notkabinett, entstanden aus der Weigerung eines Bergischen Parvenüs: Lieber gar nicht regieren als falsch regieren, in den nächsten Jahren mit gegenseitigen Blockaden, viel Missstimmungen, Rivalitäten und faulen Kompromissen die Zeit zu überbrücken gedachten. Es war der Bundespräsident Steinmeier, ehemals SPD-Außenminister, der auch durch einen Coup auf den Repräsentantensessel gehoben worden war, seine Genossen bedrängte, wieder in eine Große Koalition zu gehen, die vom Wähler nicht gewünscht war. Die uralte deutsche Angst vor Weimarer Verhältnissen und vor allem vor Neuwahlen, die in der Psyche der Politprofis Blockadeszenarien erzeugten, ließ die SPD als Verantwortungspartei wieder mit den ungeliebten Schwarzen ins Bett ohne Laken und Bettwäsche kriechen. So hatte ich und viele andere die Regierungszeit der kommenden Jahre nicht vorgestellt. Und ohne Angela Merkel als Kanzlerin und ohne Pandemie und Katastrophenjahr 2021 wäre die unheilige Allianz vielleicht schon längst geplatzt. Gestern sah ich Andy Scheuer, den alerten Nichtskönner im Verkehrs- und Digitalamt im Interview mit Sandra Maischberger und man kann sich nur an Kopf packen mit welchen nassforschen Ausweichmanövern, die im übrigen weit entfernt von der Wahrheit lagen,Scheuer sich immer aus den Fragen herauswand. Trotz seiner vielen Affären, die der Steuerzahler ausbaden muss, kann er sich auch einen Posten in einer neuen CDU-Regierung vorstellen. Man muss schon viel Egochuzpe haben, um sich überhaupt aus den wirklich scharfen Fragen der Interviewerin so herauszuwinden.

Anders der Kollege Ingo Maas, der feingliedrige Mann mit den maßgeschneiderten Anzügen und der sehr leisen Stimme, der jetzt von allen zum Sündenbock gemacht wird. Seine unglücklichen und auch ungeschickten Entscheidungen im Zuge der Afghanistankrise und der Rettung der vielen Menschen aus der eingekesselten Stadt unter dem Hindukusch (Freiheit muss auch von da verteidigt werden, hallo) sind unverzeihlich. Aber auch alle anderen Regierungschefs und Außenminister in den USA, in Frankreich, in Großbritannien oder Italien saßen den Falscheinschätzungen der diversen Geheimdienste und militärischen Analysten auf, die offensichtlich nach 40 Jahren Afghanistankrieg nichts von diesem Land verstanden haben und die Strukturen und Machtpositionen der Talibanhorden dermaßen fahrlässig unterschätzt hatten, dass es jetzt Talibanistan heißen könnte. Eine mordlüsterne Mopedtruppe kriegt es tatsächlich hin, in zwei Wochen ein ganzes Land zu überrollen. Es war nicht schwer für die islamistischen Guerillas, denn in den zwanzig Jahren US-Einsatz mit ihren Verbündeten war es schon vor Jahren abzusehen, dass der Aufbau einer nationalen afghanischen Armee unter diesen Verhältnissen schwer zu schaffen sein würde. Schon 2013 wurde in internen Berichten die Schlagkraft der afghanischen Armee als eher gering eingestuft, während den Menschen bei uns etwas anderes erzählt wurde. Das aktuelle Dilemma des Totalversagens des Westens hat viele Gründe, die zum großen Teil in der Vergangenheit liegen und aktuell mit dem Zusammenspiel von Fehleinschätzungen, Versäumnissen, Fahrlässigkeit oder diametraler Unterschiede zwischen den Kulturen zu tun haben. Der europäische Maßstab wird den Problemen, die Afghanistan schon so lange zu schaffen machen, ebenso wenig gerecht wie der anglo-amerikanische. Da stoßen Welten aufeinander. Maas wird politisch ab Oktober kaum noch eine Rolle spielen, aber da sind immer irgendwelche Botschafterposten oder Institutsvorstände zu vergeben und Lobbyisten gelten häufig als Zweitverwertung gestrandeter Politiker, die mal in Amt und Würden waren. Gabriel, Schröder, Stanislaw Tillich, Eckard von Klaeden, Dirk Niebel (Waffenlobby), Guenther Oettinger oder Roland Pofalla. (Tillich regierte mal Sachsen). Nachzulesen bei Transparency Deutschland und LobbyControl.

Noch wollen viele Menschen aus Angst um ihr Leben aus Afghanistan heraus, aber es wird immer schwerer und über dem 31. August hängt eine Brigade Damoklesschwertern. Am 26. August beendet die Bundeswehr ihre Evakuationsflüge und ob in irgendeiner Weise mit den Taliban zu verhandeln sein wird, ist sehr fraglich, auch wenn sich deren obere Anführer in Doha fast handzahm und moderat pragmatisch geben. Ob das deren unteren „Dienstgrade“ in ihren bewaffneten Banden ebenso in der Praxis bei ihren permanenten Kontrollen und Hausdurchsuchungen sehen, beurteilen viele als sehr fragwürdig. Alle reden immer nur von der Situation in Kabul und die Gefahr für die Helfershelfer oder Ortskräfte, aber wie sieht es in den anderen Provinzen aus, welche Talibanführer haben dort die Macht und sind alle, die sich am Flughafen in Kabul als Ortskräfte ausfliegen lassen wollen, auch wirklich in Gefahr oder wollen sie nur raus dem Land, weil sie weiteren Schrecken befürchten. Ortskräfte scheint mir im Zusammenhang einer militärischen Intervention als falscher Begriff, sie sind tatsächlich Verbündete. Zu allen Zeiten, als Expansionskriege zu Ende gingen, rächten sich die Sieger an den vermeintlichen Verbündeten oder Helfern. Die Lage im Land ist völlig unklar zu bewerten und was uns berichtet wird, ist spärlich, vieles beruht auf Spekulationen oder Analysen von Spekulationen? Ob in Doha Wölfe im Schafspelz die Einschmeichelarie singen oder einigermaßen ehrliche Absichten haben, weiß auch keiner und ist in der Bewertung der Talibanideologie auch zu bezweifeln. Die große Angst liegt hinter der Angst, den die Taliban verbreiten, es ist die Angst vor dem IS-Nachfolgesystem, die schon mit einem Selbsttötungsattentat am Flughafen zugeschlagen und ein großes Blutbad angerichtet haben. Weitere Attentate seien geplant, davon kann man ausgehen und die Taliban werden einen Kampf gegen eine weitere, sehr viel grausamere Geistermordbande aus der nicht klein zu kriegenden IS-Gruppe und Al Quaida führen müssen. In den letzten 14 Tage ist von Experten und solchen, die sich dazu berufen fühlen, viel geredet und noch mehr konjunktiviert worden. Was wir wissen, wird schnell zu Legendenbildungen oder Verschwörungsgequassel und ich habe mir angewöhnt, überall in allen Informationsmaterialien zu suchen und zu stöbern, um einigermaßen an einen äußeren Rand der Wahrheit zu gelegen.

Aus dem Spiegel:

All das war am Hindukusch nie eine Option. Doch intensive Verhandlungen mit allen Konfliktparteien, das Einbinden aller Nachbarn, auch ein Kriegsverbrechertribunal: Wäre dies in Afghanistan möglich gewesen? Wir werden es nie erfahren. Eines aber wissen wir: Nicht jede Intervention scheitert. Aber die meisten tun es. Institutionen und Entwicklung ließen sich weder in Vietnam noch im Irak verbinden. Wenn das in Zukunft zur nötigen Vorsicht, kritischem Nachfragen und weniger Hybris führt, ist zumindest ein Ziel erreicht.

Um allen gerecht zu werden, die am dem Schlamassel irgendwie beteiligt waren, ist es nur fair auch AKK und Seehofer zu nennen. Auch das vergiftete Erbe Trumpscher Lügen und Fehlleistungen verbreitet sich immer noch überall und man wird sehen, ob Biden mit seiner Härte einen Makel davontragen wird. Meiner Meinung handelt er richtig, denn was soll er anderes tun, als Trumps eigentümlich naives Abkommen zu Ende zu bringen, ohne noch größeren Schaden in der Meinung seiner Mitbürger davonzutragen. Seit den Anschlägen auf das World Trade Center in New York und den darauf folgenden Kriegen im Nahen und Mittleren Osten ist zu viel Blut geflossen und zu viele Särge wurden heimgebracht. Auch wenn gesagt wird, dass die Zeit schnell vergessen macht, sind die meisten Amerikaner inzwischen einfach nur erleichtert, dass das Trauma ständiger Niederlagen endlich endet. Vor allem für alle US-Bürger, die in Afghanistan auf verlorenen Posten stehen.

Teil 3 zu lesen, wer mag.

Die posttraumatischen Störungen vieler GI´s, die in Afghanistan gekämpft haben, werden wie nach dem Vietnamdesaster noch lange nachwirken. 1800 Soldaten sind gefallen und 20.000 haben als körperlich Verwundete überlebt. Die Suizidrate überschritt in einigen Jahren die Anzahl der Getöteten. 59 deutsche Soldaten starben. Insgesamt waren zwischen 40-50 Tausend Einsatzkräfte aus 40 Ländern in irgendeiner Funktion in der Operation „Freiheit wird auch am Hindukusch verteidigt“ involviert. (Unser Wohlstand wird mit Freiheit verwechselt) Ob es genau stimmt, weiß ich nicht, aber es wird von 2 Billionen US Dollar gesprochen, die Afghanistan in den letzten 20 Jahren aufgefressen hat, egal ob einiges Positives dabei war oder nur das Kriegsdebakel soviel Geld verschlungen hat. Bin Laden wurde dann vor ein paar Jahren totgebombt oder erschossen, das voyeuristische Bild mit Obama und Hillary vor der Glotze ging um die Welt. Wie dieser schreckliche Okkupation-Freundschaftseinsatz zu bewerten ist, wird die Geschichte zeigen, aber jetzt kann schon festgestellt werden, dass die amerikanische Rolle, seit dem Ende des 2. Weltkrieges die Weltpolizei zu spielen und scheinbar Demokratie zu importieren, gescheitert ist. Schon in einigen Monaten wird sich zeigen, was Afghanistan unter den Taliban wert sein wird. Zur Wahrheit gehört auch, dass die USA mach dem sowjetischen Einmarsch und der daraus folgernden Besetzung sich zunächst aus innerafghanischen Szenarien heraushielten, aber indirekt die Taliban-Bewegung hochkommen ließen. Es gibt Berichte, in denen behauptet wird, dass sie die Taliban direkt unterstützten, was aber von vielen Politikkennern als Legende abgetan wird. Tatsache ist aber, dass die USA den pakistanischen Geheimdienst ISK unterstützten, der wiederum die Taliban hochpeppelte. 1989, als die Russischen Besatzer abgezogen waren, hielten sich die USA demonstrativ aus dem Gemenge in Afghanistan heraus. Die nach Pakistan geflohenen Taliban erhielten Geld aus Saudi-Arabien und wurden so zum Erfüllungsgehilfen einer antisowjetischen Politik, die einerseits im Interesse Pakistans war, andrerseits von den USA als zentrales Gegengewicht zum kommunistischen Sowjetrussland begriffen wurde. Im Prinzip muss diese Strategie immer als Folge des kalten Krieges ins geschichtliche Kalkül mit einbezogen wurde. Afghanistan galt auch als Pufferstaat gegen den Kommunismus gemäß der Domino-Doktrin über Staaten entlang der Grenzen zur Sowjetunion und China. Deshalb wird schon seit Jahren an der Türkei trotz des Diktators Erdogan und seiner eigentümlichen West-Ost-Politik festgehalten. Nicht zu vergessen, das Debakel 1979 mit der Eroberung des Iran durch die schiitische Mullah-Diktatur. Als die Taliban 1996 das Land besetzten und bis 2001 mit einer Schreckensherrschaft regierten, war das Gezeter im Westen groß. Die Mudschahedin und vor allem der Löwe von Pandjir Massoud vertrieb dann mit Hilfe der USA die Taliban wieder in ihr Trainingsexil nach Pakistan. 2001 wurde er von irgendeiner Mörderbande, die aus der Brut der Taliban geboren wurde, ermordet. Massoud galt in dem Land, in dem 42 unterschiedliche Stammesethnien leben als Hoffnungsträger, weil er auch ein Programm hatte, das Bildungseinrichtungen auch für Mädchen und funktionierende „öffentliche Verwaltung“ versprach.

Ich erinnere mich an die Jahre Anfang der 70er, als einige Freunde durch Afghanistan fuhren und schwärmten: Schwarzer Afghan, du hast es mir angetan. Heute kann man sich fragen, welchen Sinn hatte das alles und feststellen, was die Russen, wir Bündnispartner und die Nato Afghanistan angetan haben.

Angefangen von der irren Idee des Nation Building, einer Oktroyierung westlicher Vorstellungen, wie man Demokratie in einem Drittweltland mit archaischen Strukturen nach einer Blaupause aus dem Pentagon implantieren könne und der damit verbundenen Überheblichkeit, eine herumschweifende Räuberbande, die meistens nicht zu sehen war, in Schach zu halten und zu besiegen bis zu den permanenten Versuchen, die westlichen Werte als hohes Ziel und Vorzeigemodell den archaischen Stammeskulturen, die im Islam verwurzelt sind, einzutrichtern. In einem Land, in dem viele Politiker offensichtlich nur einen ausgeprägten Sachverstand im Bereich der Korruption und Selbstbereicherung haben und ein gutes Leben mit westlichen Luxus führen, während die Bevölkerung bitter arm ist, wächst kein Vertrauen in eine national starke Verantwortung sich leidenschaftlich am Aufbau dieses malträtierten Landes zu beteiligen. Die Marines und die Bundeswehr wollten junge Männer aus dem Land zu einer Armee zusammenschweißen, die dann auf hohem Level die Taliban bekämpfen sollten, um das fragile Staatswesen gegen die wilde Horde der bis an die Zähne bewaffneten Freischärler zu verteidigen. Diese Regierungssoldaten kamen freiwillig oder wurden rekrutiert und sie mussten bald erfahren, schlecht ausgerüstet zu sein, unter Versorgungsmängeln zu leiden und keinen Sold zu bekommen. 66.000 gaben ihr Leben für ihr Land und da kann keiner behaupten, dass sie es nicht versucht hätten. Außerdem sahen die Besatzung- und Hilfstruppen aus dem Westen nicht selten die afghanischen Soldaten als Kämpfer zweiter Klasse, wie einige Journalisten im nach hinein berichteten. Bald mussten sie erkennen, dass gegen die Brutalität der Taliban kein Drill der Welt helfen würde, nach dem Rückzug der Amerikaner und ihrer Alliierten als Kanonenfutter an die Fronten geschickt zu werden. Die mit äußerster Brutalität marodierenden Taliban, ließ die Moral der afghanischen Soldaten erheblich sinken. Sie desertierten, weil sie zurecht annehmen mussten, ermordet zu werden und viele waren mit der drohenden Gefahr einfach nur überfordert.

Der westlichen Bevölkerung wurde weitgehend verschwiegen, dass der IS weiterhin in einigen Flüchtlingslagern in Pakistan auf die Chance warteten, wieder zurückzukehren, um das Kalifat zu gründen. Taliban und IS haben außer dem Islam nicht sehr viel gemeinsam und sind sich spinnefeind, während die Taliban national gesinnt sind und große wirtschaftlichen Chancen mit der Ausbeutung vieler Rohstoffe erwarten, die sie mit Hilfe der Chinesen zu Reichtum vergolden wollen, will der IS weiterhin das Kalifat in Afghanistan errichten. Die Kämpfer des IS müssen als noch gewalttätiger und verrohter eingestuft werden, da sie wie schon im Irak oder in Syrien mit allen Mitteln den islamischen Staat erkämpfen wollen, um ihre alternativlose Schariadiktatur zu verwirklichen. Und irgendwo scheint es immer noch Untergrundkämpfer der Al Quaida zu geben. Für die Taliban heißt das auch, dass Sprengstoffanschläge überall Zerstörung und Tod über das Land bringen werden. Auch bei uns wird die Angst wieder in unser Leben einsickern, denn diese Ideologie schreckt vor nichts zurück und da der Westen der Feind Nr. 1. ist, sind Anschläge auch in westlichen Metropolen zu erwarten. Was viele vergessen haben: An der türkisch-irakischen Grenze kämpfen kurdische Einheiten immer noch erfolgreich gegen die alten IS-Mörder, die offensichtlich nirgendwo klein zu kriegen sind.

In Afghanistan wie im gesamten Nahen Osten starben zu viele Menschen für die Freiheit unseres Wohlstandes. In Afghanistan rechnen die Beobachter mit 200.000 Menschen. Die Zahl der Toten, die in diesem Land seit 1979 unter der Erde liegen, klingt schauerlich und ist für alle Beteiligten beschämend. Jedem/jeder empfehle ich, sich die letzten 40 Jahre Afghanistan-Geschichte genauer anzuschauen, um eine Ahnung davon zu bekommen, was Russen und Amis wie deren Verbündete und die vielen kulturell unterschiedlichen Volksgruppen an diesem Land verbrochen haben. Alle Besatzer oder deren militärische Helfer haben sich an diesem Land die Zähne ausgebissen und es wurde aus westlicher und russischer Hybris das fast endlose Trauerspiel schlechthin geboren, was vor dem 31. August 2021 bis 1981 zurückghet. Demnächst wird der Schrecken in Kabul, Herat oder Kundus wieder aufgeführt wird.

Im dem Zusammenhang sei an Bushs Rache-Intervention an Al Quaida erinnert, weil der allseits als tumber Geselle bezeichnete George Dabbelju auf Drängen seines Vize Dick Cheney (John Nichols‘ Buch „Dick – The Man Who Is President“) den Anschlag Bin Laden und dessen Spießgesellen auf das World Trade Center mit dessen Vernichtung rächend kompensieren wollte. Ich sage bewusst „kompensieren“, denn die amerikanische Seele war tief verwundet, weil ein kriegerischer Akt von Terroristen im eigenen Land eigentlich unvorstellbar war und die amerikanischen Wähler besänftigt werden mussten. Cheney war der eigentliche US-Befehlshaber, der schon den Irakkrieg wenig vorher mit Lug und Trug entfesselte. Empfehlenswert der Film „Vize“ mit Christian Bale, der in vielen Mediatheken zu finden ist oder bei mir ausgeliehen werden kann. Allerdings muss sich heute auch jeder an Saigon 1975 erinnern und den 35jährigen Vietnamkrieg, zuerst von der Kolonialmacht Frankreich geführt und dann mit einem scheinbar übermächtigen Truppenkontingent der USA zu seinem schlechten Ende geführt wurde. Allerdings und das kann jeder bei arte in der mehrteiligen Dokumentation (Mediathek) über diesen Krieg schwarz auf weiß sehen, ist Ruhe in Vietnam eingekehrt. Die pessimistisch gefärbten Prognosen, dass es wie im Khmerland enden würde, haben sich nicht bewahrheitet. Touristen besuchen mehr und mehr das Land und die geschickte Politik der unterschiedlichen Regierungen seit 1975 trägt Früchte Aus wikipedia: Während der 1990er Jahre wuchs die Wirtschaft stark und Vietnam wurde wieder in die internationale Staatengemeinschaft aufgenommen. Am 3. Februar 1994 hob die Regierung Clinton das seit dem Vietnamkrieg bestehende Handelsembargo auf. 1995 nahmen Vietnam und die USA wieder diplomatische Beziehungen auf; 2001 trat ihr bilaterales Handelsabkommen in Kraft. . . . . . Die am meisten besuchten Reiseziele in Vietnam sind Ho-Chi-Minh-Stadt mit rund 5,8 Millionen internationalen Besuchern, gefolgt von Hanoi mit 4,6 Millionen und der Hạ Long Bucht mit 4,4 Millionen Besuchern. Alle drei befinden sich in den Top 100 der meistbesuchten Städte der Welt. In Vietnam gibt es 8 UNESCO-Welterbestätten. In Südostasien gibt es kein Land mit mehr Welterbestätten. Im Jahr 2018 wurde Hội An vom bekannten Reisemagazin „Travel and Leisure“ zu den 15 besten Reisezielen der Welt gewählt. Ab dem Jahr 2020 ist der Hanoi Street Circuit Teil der Formel-1-Rennserie. Dieser befindet sich in der Hauptstadt Vietnams und sollte am ersten GP-Wochenende Anfang April 2020 stattfinden und 300.000 Zuschauern Unterhaltung bieten; allerdings wurde das Rennen aufgrund der Corona-Pandemie abgesagt, so dass der erste vietnamesische Grand Prix im Jahre 2021 stattfinden soll.

Einige meiner Bekannten waren längere Zeit in Vietnam und was ich gehört habe, klang relativ friedlich. Wohlgemerkt wird Vietnam von einer kommunistischen Einheitspartei geführt. Wer erinnert sich noch an Apokalypse Now und den Hubschrauberflug übers Land und die vom Napalmbomben im Feuer vernichteten Dörfer, Reisfelder und Wälder, während im Hintergrund Wagners Walkürenritt erklang. Francis Ford Copolla wusste um die Macht dieser Musik, die in Deutschland 12 Jahre als Inbegriff heroischer Kultur galt, nachdenklich, wer Böses dabei denkt.

Teil 4 zu lesen, wer mag.

Zurück in unser Land, von dem Heinrich Heine einst sagte: Denk ich an Deutschland in der Nacht, bin ich um den Schlaf gebracht. Ich schlafe gut, aber tagsüber bringt mich das Land in die tiefsten Tiefen meiner Befürchtungen. Es stört ganz empfindlich mein Bewusstsein. Einige Eingeweihte wissen, dass ich mich in meiner Arbeit als bildender Künstler seit 2019 mit dem Klimawandel beschäftige und mich dazu auf eine größere Ausstellung vorbereite. Die Pandemie hat mich ausgebremst, aber trotzdem habe ich immer weiter gestaltet. Der Klimawandel ist eines der zentralen Themen dieses Wahlkampfes, weil es das zentrale Thema unserer Zukunft ist. Wenn nicht jetzt, wann dann. Vor zehn bis 20 Jahren haben gerade die sogenannten jetzt in Schrumpfung begriffenen Volksparteien eher die Herausforderungen der Zeit wissentlich übersehen, weil die Warnungen einiger renommierter Wissenschaftler in den Wind schlugen, die schon seit dem Zustandsbericht des „Club of Rome“ 1972 bei allen, die sich ernsthaft mit der Zukunft der Erde beschäftigten, verinnerlicht war. 1992 folgten „Die neuen Grenzen des Wachstums“, 2004 veröffentlichten die Autoren das 30-Jahre-Update, 2012 erschien „Already Beyond? – 40 Years Limits to Growth, das unter anderem von Uwe Schneidewind (Wuppertal Institut). Harald Welzer (Autor und Gründer von futurzwei), Stephan Weil (Oberbürgermeister Hannover, Ministerpräsident Niedersachsen), David McAllister (Ministerpräsident Niedersachsen vor Weil) und vielen anderen Politikern und Wissenschaftlern unterschrieben wurde. Das Übereinkommen von Paris, der verbindliche internationale Beschluss führte 2015 auf der Klimakonferenz in Paris zu einer hoffnungsvollen Aussicht, weil 195 Staaten und die Europäische Union dieses Dokument ratifizierten. Ein kleiner, aber entscheidender Makel lag auf dem dicken Papierstapel: Jeder Staat konnte den Vertrag eigenmächtig aufkündigen, was Donald Trump 2017 unmittelbar nach seiner Wahl auch machte. 2018 drohte Brasiliens Bolsonaro auch seine Kündigung an. Bolsonaro kümmerte sich ohnehin einen Dreck um die Auflagen und ließ die Regenwälder weiter abbrennen. Zwei irre Schurken mit zu viel Macht beschnitten das Abkommen und schmälerten dessen Bestandskraft. Am 9. August bestätigte der Weltklimarat, dass der Mensch in den letzten 2 Jahrhunderten maßgeblich dazu beigetragen hat, den Klimawandel zu beschleunigen. „Der menschliche Einfluss ist nicht nur der wesentliche Treiber für die Erwärmung des Klimasystems, sondern auch für die Zunahme von Extremwetterereignissen. Die Häufigkeit und die Intensität etwa von Starkregenereignissen oder Hitzewellen steigen durch den Klimawandel an“ Professorin Veronika Eyring vom Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt und der Universität Bremen. Weiterhin: Der Sechste Sachstandsbericht des IPPC formuliert es etwa so: „Seit dem Fünften Sachstandsbericht gibt es stärkere Belege für beobachtete Veränderungen von Extremen wie Hitzewellen, Starkniederschlägen, Dürren und tropischen Wirbelstürmen sowie insbesondere für deren Zuordnung zum Einfluss des Menschen.“ Im Internetmedium Spectrum.de, eine anerkannte Plattform der Klimaforschung und deren Berichterstattung schreibt Thomas Krumenacker: Obwohl der IPCC keine direkten Handlungsempfehlungen an die Politik gibt, sehen die Autoren des Sachstandsberichts ihre Arbeit als klare Handreichung auch für die Weltklimakonferenz im Herbst 2021 in Glasgow. »Wir haben den Realitätscheck geliefert«, sagt Eyring. »Der Bericht belegt die Dringlichkeit des Handelns, und ich wünsche mir, dass er zu sofortigen und nachhaltigen Maßnahmen der Entscheidungsträger und der Gesellschaft führt.« Die Atmosphärenforscherin Astrid Kiendler-Scharr vom Forschungszentrum Jülich sieht sogar eine historische Verantwortung für die Regierungen in Schottland. Der Weltklimagipfel in Glasgow werde für die Zukunft der Erde mindestens so wichtig wie Paris, sagt sie im Interview mit Spectrum.de  Und die Expertin für Klimaextreme Seneviratne formuliert als ihre Botschaft aus der Arbeit an dem Bericht: »Wenn die Politiker es ernst mit dem Pariser Abkommen meinen, dann ist jetzt der letzte Punkt zu handeln.« Unter den Regierungen der Staatengemeinschaft ist zumindest die Beschreibung der Lage nicht mehr umstritten: Der Bericht wurde am vergangenen Freitag parallel zu den Schlussberatungen der Experten von allen 195 Mitgliedsregierungen des IPCC formell angenommen. In diesem Bericht waren die Katastrophen in Deutschland – Hochwasser und Überflutungen – und mit 141 Toten wie die Brände rund ums Mittelmeer noch nicht enthalten. Reaktionen aus der wahlkämpfenden deutschen Politiklandschaft: Wer Klimaveränderungen leugnet, versündigt sich an der nächsten Generation. Markus Söder. Aber Hallo Markus, dann packs mal an. UN-Generalsekretär Antonio Guterres in New York: „Der Bericht muss die Totenglocke für Kohle und andere fossile Brennstoffe sein, bevor sie unseren Planeten zerstören. Wenn wir unsere Kräfte jetzt bündeln, können wir die Katastrophe abwenden.“

IPCC, 2018: Zusammenfassung für politische Entscheidungsträger. In: 1,5 °C globale Erwärmung. Ein IPCC- Sonderbericht über die Folgen einer globalen Erwärmung um 1,5 °C gegenüber vorindustriellem Niveau und die damit verbundenen globalen Treibhausgasemissionspfade im Zusammenhang mit einer Stärkung der weltweiten Reaktion auf die Bedrohung durch den Klimawandel, nachhaltiger Entwicklung und Anstrengungen- ungen zur Beseitigung von Armut. [V. Masson-Delmotte, P. Zhai, H. O. Pörtner, D. Roberts, J. Skea, P. R. Shukla, A. Pirani, W. Moufouma-Okia, C. Péan, R. Pidcock, S. Connors, J. B. R. Matthews, Y. Chen, X. Zhou, M. I. Gomis, E. Lonnoy, T. Maycock, M. Tignor, T. Waterfield (Hrsg.)]. World Meteorological Organization, Genf, Schweiz. Deutsche Übersetzung auf Basis der Version vom 14.11.2018. Deutsche IPCC- Koordinierungsstelle, ProClim/SCNAT, Österreichisches Umweltbundesamt, Bonn/Bern/Wien, November 2018.

Und was sagt die AfD dazu: Karsten Hilse: „Die Dramatik nimmt wie in einem Shakespeare-Drama mit jedem Akt zu.“ . . . . „um die Menschen in Angst und Panik vor dem drohenden Weltuntergang zu versetzen und sie gesellschaftlichen Umwälzungen gefügig zu machen.“ Deren Chef Tino Chrupalla, der sächsische Malermeister mit der Weitsicht einer Dispersionsfarbenmischung, meint: „Dass allein auf den CO2-Ausstoß, noch dazu auf den menschengemachten, zu schieben, das hinterfragen wir und kritisieren wir zum Teil.“ „Auch in anderen Jahrhunderten hat es Flutkatastrophen gegeben. Chrupalla sorgt sich zurecht um den Katastrophenschutz, scheint aber mit der Tatsache, dass vor einer Katastrophe immer ein ursächliches Szenario über die Menschen kommen muss, nichts zu tun zu haben. Na das wird einige Brett vorm Kopf Querdenker und Klimaleugner herzerfrischend Freude bereiten.

Da wir eine neue Regierung bekommen müssen, da nach 32 Jahren die CDU mit unterschiedlichen Partnern und dazwischen dem sechsjährigen Intermezzo Rot-Grün, wird wieder einmal Wahlkampf gemacht. Auf der Straße, in den asozialen Medien, im Print und im Fernsehen. Auf den ersten Blick, ist alles wie gehabt, aber hinter den Plakaten, Fernsehspots und Internetbeiträgen muss der aufmerksame Zeitgenosse anderes vermuten. Bei uns auf der Chaussee sehe ich mit Wohlwollen unseren Kandidaten Karl Lauterbach, der gerade während der Pandemie in allen Medien schlüssige Expertisen ablieferte, die sich meistens als Tatsachen herausstellten. Ansonsten kommen mir die Plakatierungsorgien wie ein dejavu meines ganzen Lebens vor. In meiner Erinnerung sehe ich Willy Brandt und Franz-Josef Strauss. Deshalb schmeckt die Köpfeinszenierung nach Convinience-Madeleins aus der Giftküche von Doktor Einfallslos, der seit Jahrzehnten sich selbst plagiiert. Außer der AfD haben alle größeren Parteien den Klimawandel in ihren Programmen verankert, die Erkenntnisse der unterschiedlichen Lektüren vermitteln allerdings ein sehr buntes Bild der Maßnahmenversprechungen. Es geht natürlich um Geld. Immer geht es bei dieser vier Jahres Streetart der schlichten Art um Geld. In diesem Jahr geht es aber um die Finanzierung der großen Transformation zum klimaneutralen Staat und in dieser Gemengelage könnten die Unterschiede nicht größer sein. Wir sind ein reiches Land und gerade in Zeiten der Nullzinspolitik haben sich Spielräume eröffnet, die vielen zu Nutzen kommen könnten, aber was mit den geforderten notwendigen Maßnahmen auf die Gesellschaft zukommt, kostet. Es kostet sehr viel mehr, als es sich die meisten Bürger vorstellen können. Die Bezahlbarkeit kommt in einer demokratisch geprägten Volkswirtschaft aus dem Steueraufkommen, wobei die größte Last bislang von der arbeitenden Bevölkerung und dem unteren bis mittleren Mittelstand getragen wird. In Deutschland gibt es viele Millionäre. Die zehn reichsten Deutschen verfügen über 240 Milliarden Dollar, das ist aber nicht wie bei Dagobert Duck, dass die alle im Geld schwimmen, nein, Besitz bedeutet auch Immobilien, Unternehmen, Aktien, Grund und Boden. Wieviel Steuern diese glorreichen Zehn an den Fiskus abführen, weiß ich nicht, wahrscheinlich wissen diese Beträge nur sehr wenige Eingeweihte. Kohl hat in seiner Regierungszeit 1997 die Vermögenssteuer abgeschafft, dieser betrug 53 Prozent plus Soli. Finanzexperten haben errechnet, dass es einige Steuererhebungen geben könnte, die dem Staatssäckeln soviel Geld einbrächten, dass zum einem, alle Bürger angemessen leben könnten und zum anderen, die wichtigen Herausforderungen für die Transformation eingebracht werden könnten. Dieses Thema wird im Wahlkampf und danach zu den heftigsten Streitereien führen. Die CDU und die FDP stemmen sich mit Gewalt gegen jede Art von Steuererhöhung, versprechen aber Steuersenkungen, bei denen keiner nachvollziehen kann, wie sie bezahlt werden sollen. Deutschland ist ein reiches Land mit einer stabilen Wirtschaftskraft und gilt als viertstärkste Wirtschaftsmacht der Erde. Dass die IT-Giganten google, Alphabet, Amazon sich aus der Besteuerung in Europa herausgemogelt hat, kostet dem Staat Jahr für Jahr Milliarden. In der Pandemie rettete die gesetzlich verankerte Kurzarbeiterregelung so große Unternehmen wie Daimler, BMW, Bayer oder BASF, von Daimler ist allerdings bekannt, dass sie die staatlichen Gelder gerne annahm, aber auch die Aktionäre und Mitarbeiter mit Dividenden und Boni beglückte. Das kann nur als obszön und unfair bezeichnet werden.

Nach dem Triell, also einer Propagandashow der drei Kanzlerkandidatinnen bei RTL. Achtung Eigentum Bertelsmann, waren die Kritiken oder Meinungen in der Presse eher bescheiden und zurückhaltend, teilweise sah man die Ratlosigkeit und Langeweile des schreibenden Redakteurs vor seinem geistigen Auge, weil sich alle drei im Rahmen ihrer Ängste, Vorsichtsmaßnahmen und Befürchtungen relativ moderat gegeben haben. Man und Frau machen „bella figura“, soweit das im Rahmen ihrer Möglichkeiten und im Sinne der Parteistrategen möglich ist. Der eine wirft der anderen was vor, die Eine wirft beiden Männern was vor, der Eine ereifert sich und Einer gibt sich staatsmännisch abgeklärt und gleicht einem ausgehungerten Buddha. Sie bewegen sich immer im Rahmen des eigenen Parteiprogrammes und kreiden den anderen die verschwiemelten Aussagen in deren Parteiprogrammen an, was Klima, Pandemie, soziale Gerechtigkeit oder innere und äußere Sicherheit betrifft. Laschet wird von seinen Anhängern als kämpferisch gefeiert, während ich und viele andere ihn eher als verzweifelten Boxer gesehen haben, der schon schwer angeschlagen ist und aus der Ringecke versucht, sich mit einigen Haken wieder ins Geschehen zu schlagen. Annalena Baerbock vermeidet viel und teilt trotzdem das aus, was die Parteistrategie als Taktik vorgegeben hat. Und Olaf Scholz macht sich fast unsichtbar, wohl wissend, dass jede falsche Aussage, jede kritische Satzstellung, im nachhinein gegen ihn verwendet werden kann. Die Stoik und fast unmerkliche Präsens des momentan führenden Scholz war schon sehenswert. Er weiß aber genau, dass die beiden anderen ihm auf den Hacken hängen und alles versuchen werden, um ihm ein Bein zu stellen. Wie hieß es noch im Falco-Sprech: „Drah di net um, der Konkurrent geht um.“ Es ist eben die befürchtete 20 zu 20 zu 20 Situation, irgendwie ein Triellpatt, das nach der Wahl im schlimmsten Fall keine Regierungsbildung zulässt. Als alles vorbei ist, verabschiedet man sich artig und jeder kehrt für sich in seine Wagenburg zurück. Armin, der Laschet, zaubert noch einen kleinen Coup aus dem imaginären Hut, indem er die ihn beratenden Mitkämpfer für die Klimafragen vorstellt, weil ihm selbst keiner so recht zutraut, dass irgendeiner seine fast flehenden Ausführungen zum Klimawandel noch ernst nimmt. Es sind zwei junge Männer und eine junge Frau, die eine Klimaunion gegründet haben und nun all die Ungereimtheiten aus dem Wahlprogramm irgendwie als Non Plus Ultra-Lösungen verkaufen müssen. Man wird sehen, wie sie vor allem in den sozialen Medien das Unwahre wahrer machen werden und die Ungenauigkeiten des Ungewissen als glänzende Lösungen verkaufen. Tausend Meter Abstand eines Windrades zur nächsten Siedlung (drei Häuser) wird vor allem in NRW zu einer Schnitzeljagd der besonderen Art, wenn es darum geht, geeignete Standorte zu finden.

Was bringt uns die Zukunft der Pandemiebekämpfung an neuen Maßnahmen wird inzwischen breit diskutiert, da über 60 Prozent der Bundesbürger inzwischen doppelt geimpft sind und von allen Seiten dazu gedrängt wird, zum „normalen“ Öffentlichen Leben zurückzukehren, wie es vor 2020 war. Die Wirtschaft will wieder mit Volldampf und allen zur Verfügung stehenden Arbeitskräften zu alter Stärke zurückfinden, der Einzelhandel hat mächtig viel Nachholbedarf, weil die Raumregelungen den Umsatz nach unten gerückt hat, die Gastronomie heult schon seit zwei knapp zwei Jahren, dass die Schließungen zu einer Welle von Pleiten geführt hat und Jung und Alt will wieder feiern, egal ob in der Disco, im Club oder im Schützenzelt und auf dem Weihnachtsmarkt. Was tun. Hamburgs Bürgermeister Tschentscher, selbst Arzt, macht Nägel mit Köpfen und führt die 2G Regelung ein: Nur Geimpfte und Genese erhalten das Privileg der „persönlichen Freiheit“ wieder zurück. Söder stimmt sofort zu und aus nachvollziehbaren Gründen, wird den Ländern und Kommunen nichts anderes übrig bleiben, als sich der 2G-Regelung anzuschließen. Alle, die nicht geimpft sind, gleichgültig welche Gründe sie gehabt haben könnten, hatten genug Zeit sich eine Spritze in den Oberarm stechen zu lassen. Wer gegen das Impfen ist, nimmt sein persönliches Recht und seine eigene Verantwortung wahr und muss dann damit rechnen, infiziert zu werden. Wer dann einmal krank war und überlebt hat, wird sich dann an den Kopf packen, mit welcher Blödheit er vorher geschlagen war. Ein viel schlimmerer Effekt ist aber, dass alle Impfverweigerer auch diejenigen anstecken können, die sich aus medizinischen Gründen nicht impfen lassen dürfen und diese Haltung grenzt an fahrlässige Körperverletzung. Die sogenannte Herdenimmunität wird in Deutschland vielleicht gar nicht erreicht werden und so müssen eben alle, die Mehrheit, mit den Gefahren einer Infizierung durch das Virus leben, weil sich einige weigern, sich der Realität zu stellen. Wer erinnert sich noch an das Rauchverbot in geschlossenen Räumen und Öffentlichen Transportmittel? Das Geschrei war damals groß, heute ist es eine Selbstverständlichkeit. FCKW wurde auch verboten, weil es das Ozonloch vergrößerte und unsere Volksgesundheit schädigte und das Klima weiter veränderte. Hört, hört. Wer weiß noch, welche Aufregung alle Autofahrer ergriff, als der Gurtzwang eingeführt wurde und jede Nichtbeachtung mit Geldstrafen belegt wurden. Und dann war es Pflicht und alle nahmen es hin. Wie war das noch, als der Katalysator eingeführt wurde oder das Dosenpfand. Trittin, der es als Umweltminister eingeführt hatte, wurde verhöhnt, tritt ihn. Das war ein aktiver Recyclinganfang und Müllvermeidung. An das Dosenpfand haben sich auch alle gewöhnt und in unserem reichen Land freuen sich die mittellosen Flaschensammler über ein bisschen Geld. Direkt und Indirekt hatten alle Maßnahmen mit Volksgesundheit oder Klimaschutz zu tun. Bei einer roten Ampel muss angehalten werden, anderenfalls kann es zu tödlichen Unfällen kommen. Unser Gesetzbuch beinhaltet viele rigorose Regelungen, um die Gesellschaft vor Schaden zu bewahren oder das Zusammenleben der Menschen so verträglich wie möglich gestalten zu können. Darüber regen sich einige immer noch auf, aber der Prozentsatz ist marginal. Dabei ist es wichtig, Freiheitsrechte zu verteidigen, aber jede pluralistische Gesellschaft und jede Demokratie funktioniert nur, wenn jeder beispielsweise den folgenden Merksatz beherzigen würde: „‚Handle so, dass die Wirkungen deiner Handlung verträglich sind mit der Permanenz echten menschlichen Lebens auf Erden‘; oder negativ ausgedrückt: ‚Handle so, dass die Wirkungen deiner Handlung nicht zerstörerisch sind für die künftige Möglichkeit solchen Lebens‘; oder einfach: ‚Gefährde nicht die Bedingungen für den indefiniten Fortbestand der Menschheit auf Erden‘; oder wieder positiv gewendet: ‚Schließe in deine gegenwärtige Wahl die zukünftige Integrität des Menschen als Mit-Gegenstand deines Wollens ein.‘“                                                                                                                  Hans Jonas: Das Prinzip Verantwortung

Teil 5 zu lesen, wer mag.

Einschub

Gestern Nacht habe ich mir einen Teil der ZDFinfo Serie „Der deutsche Abgrund“ angeschaut und obwohl ich sehr gut über diese geschichtlich so wichtige Periode der Naziherrschaft Bescheid weiß, gingen mir bei einigen Passagen noch mehr Lichter an, als schon zuvor. Diese Serie ist nicht nur gut gemacht, sie ist spannend und hat das Zeug dazu, inhaltlich wahrhaftig über die totale Diktatur und die Verbrechen der Nazis so aufzuklären, so dass es haften bleibt. Die systematisch aufeinanderfolgende Struktur der Entwicklung von den ersten Nachkriegsjahren ab 1919 bis zu den Olympischen Spielen 1936 verdeutlicht mit welch penibler, gnadenloser Energie Deutschland vom kleinsten Kind bis zum ältesten Greis von der Judenhetze und dem Hass auf alles Jüdische durchdrungen war. Wer von unseren Eltern, als sie noch lebten und in den Jahren der Naziherrschaft in Deutschland geblieben waren, noch behaupten konnte, er habe von diesen Schreckens- und Terrormethoden nichts gewusst, sprach wissentlich die Unwahrheit.

Unsere Mütter und unsere Väter wussten sehr wohl, was mit den Juden geschah, aber sie kompensierten, verdrängten, indem sie dieses Thema einem inneren Vergessen und einem äußeren Schweigen überließen. Mein Vater diente von 1939 bis Mai 1945 an verschiedenen Fronten, er ging freiwillig in die deutsche Armee. Er kämpfte in Polen, in Frankreich, in der Sowjetunion und zuletzt im Rückzug in der Tschechoslowakei. Wie er sich in den sechs Jahren aktiven Kriegsdienst verhielt oder was er in den anderen Ländern wirklich machte, weiß ich nicht. Fragen waren nicht zugelassen und das wenige, was er berichtete ergab kein zufriedenstellendes Bild. Dreimal wurde er verwundet, Schuss in eine Bein, Schuss  in die Schulter und am Rumpf sah man Löcher und Narben von Granatsplittern. Ich habe das als Kind nicht begriffen und konnte mit den ausweichenden Antworten auf meine Fragen nichts anfangen. Wie seine Verwundungen wirklich seinen Körper verunstalteten, erfuhr ich nicht. Selbst meine Mutter sagte nur, dass sie kaum etwas wisse, dass auf dem Land alles ruhig war, auf dem Bauernhof, wo sie lebte. Ihr abgeschottetes Leben auf einem Bauernhof, wie sie das erklärte, wurde mit der provinziellen Entfernung zu den großen Städten und einer friedlichen Ruhe verklärt. Der russische Arbeitssoldat, den sie irgendwie sehr mochte, war auf einmal verschwunden und sie konnte keine plausible Erklärung abgeben, wie und wohin er verschwunden war. Oder sie wollte nicht oder sie schämte sich. Allerdings berichtete sie über die Bombergeschwader, die nach Osten flogen und beim Rückflug nicht gebrauchte Bomben einfach abwarfen und in der Nähe Krater rissen. Aber auch das zog keine weiterführende Erkenntnisse nach sich. Schwarz schlachten, gegen die NS-Bonzen schummeln, das machten die katholischen Bauern, das war so ziemlich alles. Dass nach dem Kriegsende die Städter kamen und Wertgegenstände gegen Nahrung eintauschen wollten, daran konnte sie sich gut erinnern und dass ein Panzer der geschlagenen deutschen Soldaten im Wald verlassen gefunden wurde, war kein Geheimnis. Meine Großmutter, aus dem Sudetenland vertrieben, die auf der Flucht in Ostdeutschland den Tod meines Großvaters hinnehmen musste, verwand nie den Verlust der Heimat, wie sie es ausdrückte. Heimat. Da waren jetzt die verhassten Tschechen, wobei sie selbst zur Hälfte tschechisch war. Die Flucht muss für sie und meine Tante eine traumatische Erfahrung geblieben sein, der Schrecken der Bombennächte und überall die als “grausam bezeichneten” Russen, die von Osten anrückten, um alle Deutschen zu massakrieren. Sie hatte noch den österreichischen Kaiser erlebt, wie er durch die Provinzstadt am Fuße des Riesengebirges durch die klatschenden Massen defilierte und Hitler auch, der das dann 1938 plagiierte. Später, als ich schon 16 war, hörte ich wie besoffene Skatbrüder mit Schenkelklopfen sangen, “Bis das Judenblut vom Messer spritzt” oder “Heute gehört uns Deutschland und morgen die ganze Welt.” Das hat gereicht, seitdem war ich für eine bestimmte Welt verloren. Für immer.

Was bleibt noch zu sagen. In drei Wochen werden die Bundesbürger gewählt haben und schon jetzt tun die Parteien so, als wäre der Segen schon gesprochen. Es ist unerträglich, welche nichtssagenden Statements bei den diversen Sommerinterviews oder „Zur Sache“ von sich gegeben werden. Deshalb schaue ich mir auch nur noch seriöse Diskussionen bei Phoenix an. Lindner hält bei jeder Gelegenheit sein Gesicht in die Kamera, ob das mit dem Proporzgedanken der Öffentlichen Rechtlichen rechtlich zu vereinbaren ist, erscheint zumindest fraglich? Die journalistischen Auguren wissen rätselnd, woran alles liegt, um gleich darauf wieder Zweifel anzumelden. Der Kuchen ist eben erst am 26. aufgeteilt. FAZ und BILD machen sich bedenkenlos für Laschet stark, auch wenn der Spitzbub auch in Aachen einen Fehler nach dem anderen gemacht hat. Die roten Socken werden wieder ausgepackt, nur heißen sie anders. Manche machen den Bürger glauben, dass Olaf Scholz mit einer roten Fahne in den Bundestag einmarschiert, wenn er mit Rot-Grün zusammengeht. Die AfD zeigt sich fast nur noch mit dem Dauerquatscher Chrupalla, jenem Malermeister, der alle Steuern abschaffen will, Kassensturz vorbereitet und in Nebensätzen immer wieder sagt, dass das System komplett geändert werden soll. Ja, aber eine deratige Transformation kann aber nicht so gestemmt werden, wie sich das die AfD vorstellt. Bei Maischberger werden Beatrix von Storch, die ihren Namen zumindest visuell zu recht trägt auf die Linke Henning-Weltzow losgelassen, Hauptsache Spektakel, aber bitte ohne Nährwert und schon gar nicht mit Inhalt in beiden Wundertüten. Die einzigen, die klar und deutlich sagen, was Sache ist, sind die Wissenschaftler und Forscher. Die beweisen, dass der Kampf gegen die Katastrophen des Klimawandels nur mit viel Geld zu gewinnen ist. Ortwin Renn, zum Beispiel, ein Nachhaltigkeitsforscher aus dem Potsdam Institut, sagt: Wir sind uns also dieser Risiken bewusst, tun aber wenig, um sie weiter einzugrenzen oder abzumildern.“Nicht mit künstlichem Benzin aus Chile, von dem Lindner immer schwafelt oder Wasserstoff für Lastwagen und Busse, das von jedem halbgaren Politprofi als Argumente missbraucht werden. Man kann nicht sagen, dass alle lügen, man kann nur sagen, dass die Sprache benutzt wird, um möglichst wenig auszusagen, drumherum reden, ja keinen Fehler machen. Manche Journalisten meinen zu wissen, dass die Kanzlerkandidaten sowieso nichts zu sagen haben, weil alles von den Parteigranden bestimmt wird. War das nicht immer so, wenn das Gedrängel um die Posten beginnt, denn die Kanzlerrichtlinienkompetenz fängt erst an, wenn überhaupt, wenn das Koalitionsgemauschel eingetütet ist. Glaubt irgendjemand, dass Scholz wie ein Alleinherrscher bestimmen kann, wer genehm ist und wer nicht? Bei den derzeitigen Konstellationen, bei denen drei Parteien um die 20 Prozent bekommen können, ist noch nicht einmal eine Mehrheit gewährleistet. Da muss wieder die FDP oder die Linke ran. Und beide signalisieren schon, dass sie bereit sind. Das Hauen und Stechen hinter den Kulissen hat  schon angefangen, aber davon fallen nur wenige Krumen unter den Tisch. Die linke Gefahr, das Gespenst der Vergesellschaft und Enteignung wird wie ein Popanz aufgebaut, aber was ist mit der rechten Gefahr, die kommt kaum noch vor. Es gibt jetzt einen Film von Christian Schwochow „Je suis Karl“, in der aufgezeigt wird, wie sich die Rechten, die Identitären und andere national Gesinnte mit den Mitteln des Pop und der Jugendkultur gerade an die Jüngeren heranwanzen. Die rechte Gefahr ist weitaus virulenter als all das Geschwafel über die kommende „Berliner Kommune“. Die Medien führen einen Tanz der Spekulationen auf, dass selbst gut informierten Zeitgenossen, die Birne brummt. Die Macht der Medien hat inzwischen so viel Anteil am Ausgang der Wahl, dass man nicht mehr davon sprechen kann, dass keine Beeinflussung vorkommen würde. Laschets Bild, Baerbocks lächerliche Plagiate überlagern die Inhalte, von denen die Medien anmahnen, sie würden nicht vorkommen. Cambridge Analytica gibt es nicht mehr, aber in Kensington sind Zauberlehrlinge dieser Teufelsbande immer noch aktiv und infiltrieren für Geld jede Wahl. Diese Typen sind moralisch verkommen und helfen Meinungen so zu verfälschen, dass der Bürgerwille verfälscht wird. Da graut es mir. 63 Prozent sind geimpft und die meisten glauben, dass jetzt Zeit ist, wieder in alte Zeiten vor 2020 zurückzukehren. Viele Verschwörungstheoretiker sind nicht mundtot zu kriegen, neulich sagte mir einer, dass Corona genau wie die Grippe sei und aus der Grippe entstanden sei. Ich war perplex. Drosten sagt, Leute passt auf, der Herbst liegt noch vor uns. Die letzten zwei Jahre immer das gleiche Szenario: Erst Sommer, Sonne, Süden, dann sehr hohe Inzidenzen und Heulen und Zähne knirschen. Geimpfte und Genesene zuerst, die anderen nehmen den Bus der Ansteckungsgefahr. Ist das schon Apartheid oder nur die Dummheit derer, die sich nicht impfen lassen will? Die Zeiten karikieren sich selbst, mir kommt alles wie ein Panoptikum aller irren Gedanken und Taten vor, die so eine Wahl hervorbringen kann. Ich bin froh, wenn Angela Merkel die Weihnachtsansprache hält, denn dann wissen wir, das noch nichts gebacken ist im Bundestag. Demokratische Grüße.

Fragen, die mich bewegen:

Warum setzt sich der WDR einmal pro Woche für Camping-Urlaub im eigenen Campermobil ein, wo jeder weiß, dass diese Kisten Dieselschlucker sind, die Autobahn verstopfen und mit den Camping-Siedlungen anderen Menschen beim Spazierengehen die Laune verderben?

Warum kann man in Deutschland grenzenlos mit Bargeld bezahlen, bar auf die Kralle. Ein Auto, einen Pelzmantel oder Super Hi-Fi-Anlage?

Warum ist Armin Laschet nicht in Aachen geblieben, für lustige Burschen gibt es immer eine Anstellung?

Warum spricht keiner mehr über die dubiosen Maskenaffären, deren  Ankauf einige CDU und CSU Abgeordnete mit Feingefühl für Profit abgeschlossen haben?

Warum sieht man so viele Teslas auf den Autobahnen: Auf 4000 km vier Karossen?

Warum sollte man sich mit nassen Füßen keine Socken anziehen?

Warum wird die Idee der Demokratie durch Lobbyismus und persönliche Schwächen der Politiker ad absurdum geführt?

Warum Annalena Baerbock Kanzlerkandidatin wurde, um nicht Kanzlerin zu werden, damit Robert Habeck bei der ersten größeren Vertrauenskrise einer Dreierkoalition zum Kanzler gekürt wird, um endlich das Rennen machen zu können?

Warum das Kino die letzte Bastion einer freien Gesellschaft ist, wo mit den Mitteln der darstellenden Kunst wie einer inhaltlich wahrhaftigen Story Kultur als Motor gesellschaftliche Veränderungen vorantreibt und erfahrbar macht?

Warum Christian Lindner mit der FDP wieder einmal das Zünglein an der Wahlwaage ist und trotzdem so polarisiert, dass dann wieder einmal selbst plagiierend behauptet wird: Lieber gar nicht regieren, als falsch regieren`

Warum es in der FDP Kräfte gibt, die nicht aus reinem Opportunismus alles mitmachen?

Warum sich Fußballnationalmannschaften schon lange überlebt haben und nur den Nationalisten dienen, die noch nicht begriffen haben, das alles anders werden muss?

Wolfgang Neisser
August/September 2021 in Köln