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Die Säulen der Alhondiga und das Kinoerlebnis
im Hafen von Deutz-Mülheim

Für alle Reisenden, die mit oder ohne uns, Bilbao in den letzten Jahren besuchten, haben wir gemeinsam mit Verena Kaczmarek, Ihrer Schwester Leona und deren Eltern sowie Jan Kutscher in einem eigens dafür gestalteten Kinocontainer im Deutz-Mülheimer Hafengebiet den Dokumentarfilm über die Entstehung der einzigartigen Säulenlandschaft in Bilbaos Kulturzentrum Alhondiga vorgeführt. Der lukullisch kulturaffine Abend entwickelte sich auch Dank der ausgezeichneten Bewirtung zu einem schönen Erfolg.

Eine illustre Schar Kulturinteressierter und Bilbaoliebhaber gab sich ein Stelldichein, um einen präziseres Verständnis einer der spektakulärsten Umgestaltungen eines historischen Bauwerks zu erhalten. Unter der konzeptionellen Führung des Stars unter den Designern Phillipp Starck wurde von italienischen Handwerkern, die sich aus den unterschiedlichsten Metiers rekrutierten, diese 43 faszinierend gestalteten Säulen des Untergeschosses dieses Gebäudes geschaffen.
Aber es war der italienische Bühnenbildner Lorenzo Balardi, der sich diese Traumwelt der Formen und Farben mit den besten Materialien ausgedacht hatte und gemeinsam mit den kompetentesten Handwerkern, die schon in Cinecitta die Kulissen für zahlreiche Filme ausgestattet hatten, realisierte. Die FAZ bezeichnete die großflächige Innenhalle als postmodernen Märchenwald und fürwahr, wenn man das erste Mal durch den Säulenwald geschritten ist, fühlt man sich wie verzaubert und fernab der alltäglichen Geschäftigkeit.

Das Beispiel Alhondiga zeigt eindrücklich, dass es in der Kulturgeschichte Europas, ja der gesamten Welt, immer die geschickten Hände der Schreiner, Steinmetze, Schmiede, Keramiker oder Stuckateure waren, die die Ideen oder Wünsche ihrer Auftraggeber erst in das verwandeln, was wir heute bewundern. Wenn wir die Schlösser Chenonceau, Chambord, das Palácio Nacional da Pena, die Renaissancegebäude in Florenz und Siena, alle Palazzi in Venedig, den Kölner Dom oder die Altstadt von Krakau besuchen, müssen wir uns immer erinnern und vergegenwärtigen, dass das, was wir sehen können, immer auch das Werk zehntausender Handwerker war, die mit Perfektion und Stilsicherheit Ideen, Konzeptionen, Wünsche und Träume anderer in die Perlen der Kultur verwandelten. Das gilt auch heute noch, denn Gehry, Herzog + de Meuron, Elliasson, Koons, Deacon und andere bedeutende Persönlichkeiten der Kunst- und Kulturwelt sind zwar immer die entscheidenden Ideengeber, die visionären Initiatoren und sicherlich oft geniale Konzeptdenker, aber alles, was wir dann zu sehen bekommen, wurde aus der unerschöpflichen Kunst des Handwerks geboren und umgesetzt. Gerade in der zeitgenössischen Kunst der letzten 25 Jahre sollten wir uns stets einen kritischen Blick auf die Diskrepanz zwischen Labeln und einer unsichtbaren, dahinter liegenden Realität bewahren. Der Film über die 43 Säulen der Alhondiga hat das in exemplarischer Weise vorgeführt.