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Mimosen, die gelben Rosen des Frühlings

Viele machen heute Selfies, also Glotzporträts, weil man der Welt zeigen muss, wer man ist, wo man ist und wie toll man ist, andere schwören auf das Netzwerk instagram, in dem Sekunde für Sekunde abertausende Fotografien zwischengelagert werden, aber es gibt immer noch welche, die auch anstrengende und beschwerliche Wege auf sich nehmen, um die Schönheit unserer Erde zu fotografieren. Man merke, es kommt von dem Begriff Photo (Altgriechisch φωτός, phôtós, Genitiv Singular von φῶς, phỗs («Licht »).und grafisch, und das ist auch der Sinn derjenigen, die sich immer noch Fotografen nennen, weil sie versuchen mit einer mechanischen Apparatur, auch wenn sich heute meistens ein Digitalchip anstatt eines Zelluloidfilms hinter der Blendenöffnung befindet. Im Prinzip bleibt es so, wie einst die Lochkamera erfunden wurde, indem durch ein kleines Loch in einem einfachen quadratischen Kasten mit dem Tageslicht alle Nuancen und Eigenheiten einer Landschaft, eines Menschen oder eines Objektes seitenverkehrt auf die innere Rückwand des Kastens projiziert werden.
Kunst ist schön, macht aber auch viel Arbeit, sagte Karl Valentin, Fotografieren ist schön, aber nur, wenn man sich nicht auf die moderne Automatik verlässt, sondern sich den physikalischen Gesetzen von Licht und Schatten unterwirft und mit Perspektive und Bildgestaltung versucht, das, was das Auge sieht, mittels reproduzierbaren Materials so nachzuempfinden, dass es selbst zur Materie wird

Wir wohnen direkt am Meer und am Fuße der Berge – Mare e Monti sagen die Italiener, die Franzosen nennen es Mer et Montaigne. Wir brauchen nur 10 bis 15 km zu fahren und sind in einer Wunderwelt, die man in sich aufsaugen muss und die auch kein Foto dieser Welt so wiedergeben kann, wie Auge und Gehirn diese Eindrücke ins Gedächtnis eingravieren.

Wir leben dieses Jahr im Januar und Februar an der Côte d´Azur und der ligurischen Riviera dei Fiori, einem das Auge beglückender Küstenstreifen am Mittelmeer, der südlich unterhalb der Seealpen zwischen Cannes und Genua zu finden ist. Alles, was man hier sieht, vermag das Auge bei jeder Drehung des Kopfes so zu überraschen, dass man sich manchmal fragt, wie man diese so lange Region verpassen konnte. Wenn man hier vom Meer, von der Küste in die Berge oder noch weiter ins Gebirge fährt, denkt und fühlt man, dass unsere Erde eines der größten Geschenke ist, die wir als ewig suchende Menschen erleben dürfen. Hier fühlen wir uns luxuriös beschenkt, in unserem von Palmen,  Zypressen, Mimosen und Olivenbäumen umstandenen alten Haus. Allein das ist ausserhalb jeder Vorstellungskraft und wir hatten das auch nicht so erwartet. Angesichts der vielen Dörfer, Städte, Kirchen, Parks, und all den anderen archaischen Naturschaupielen, fühlen wir uns voller Demut reich beschenkt und sind dafür sehr dankbar.

Die Mimosen legen über das ohnehin schon in vielen Grüntönen changierende Bergland einen gelbgold schimmernden Schleier, der einfach beim bloßen Anblick nur glücklich macht. Mehr kann man da nicht sagen.

Bevor es esoterisch wird, lobe ich noch die vielfältigen Pastagerichte, die Mandarinen, Zitronen, Fische, Garnelen, Oktopusse, Säfte und Weine, die uns aus der Erde dieser Landschaft und aus dem Meer geschenkt werden. Das ist allemale so wichtig wie jede seelische Phänomenologie. Basta.

P.S. Und Salvini muss wieder ins Büssereckchen, ein Trost in einer chaotischenWelt voller politischer Vollpfosten.