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In interessanten Zeiten unterwegs

Vor 231 Jahren kochte die Volksseele des französischen Königreichs über und die größte Anzahl der Menschen, Untertanen eines Königs, der nur deshalb das Land beherrschte, weil er Erbe von Erben und Erben war, hatten die “Schnauze gestrichen voll” ausgebeutet, degradiert, geschunden und dem Hunger ausgeliefert zu sein. Am 14. Juli, so das offiziell geschichtlich verordnete Datum der französischen Revolution wird morgen (es ist schon 21:46 Uhr) wieder wie immer mit “Allons enfants”, neuzeitlichem Pomp, ranzig gewordener Gloria und opulenten Feuerwerk gefeiert. Wahrscheinlich wird  es sehr viel zurückhaltender werden als all die Jahre zuvor, aber der Nationalfeiertag ist nun mal ein fetischisiertes Heiligtum  der “grande nation” und der längst verblichenen Buchstaben L.E.F., die einst mit den Begriffen Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit den Aufbruch in eine neue Zeit mit neuen Werten führen sollte. Wer die Geschichte jener Julitage 1789 und der darauffolgenden Jahre und Jahrzehnte kennt, weiss auch wie man die Auseinandersetzungen der damals ins Rampenlicht getretenen Fraktionen aus konservativen, royalistischen bis radikal anarchistischen Kräften zu bewerten hat. Am Anfang stand der ureigene Volkswillen, die bestehenden Zustände nicht mehr hinnehmen zu wollen und sein Leben auch auf die Gefahr hin zu sterben, für Veränderungen einzusetzen.
Heute, gestern und vorgestern begannen die Führer der Nation die Revolutionszeit zu glorifizieren und überhöhten die als sakrosankt geltenden Idealvorstellungen der Revolution, um dem Volk die Doktrin einzuflößen, dass Frankreich nicht nur als große Nation, sondern auch als aufklärerisches Vorbild für die Nachgeborenen darzustellen. Schließlich gelten heute noch in den farnzösischen Schulen Jean-Jacques Rousseau, Voltaire (François-Marie Arouet) und Denis Diderot als die Wegbereiter der Aufklärung. Was aber nach 1795 geschah und wie sich unser Nachbarland in den daraus entstandenen weiteren Hoch und Tiefs der neuen französischen Republik entwickelte, wurde viel zu lange mit dem Mantel des Schweigens überdeckt. Selbst die unsäglichen Kriege Napoleons und sein Okkupationshunger werden bis heute relativ kritiklos hingenommen und als “grande” gefeiert. Paris ist napoelonisch verseucht, allein die vielen Metrostationen, die den Namen der siegreichen Schlachten in ganz Europa tragen, zeugen davon, dass der kleine Korse ebenso wie bei uns der knorrige Bismark als staatlich unangreifbare Helden verstanden werden sollen. Wie die Zeit zwischen dem Ende des 18. Jahrhunderts bis zum ersten Weltkrieg, dem “Grand Guerre” allerdings tatsächlich verlief, wird oft verkürzt und nebensächlich behandelt. Das ist was für Historiker, Philosophen, Politikwissenschaftler und andere Deuter und gelangt meistens nur über das Feuilleton von Le Monde oder dem Figaro in die guten Stuben des Normalfranzosen. Die Arbeiter und Angestellten bei Peugeot, Leclerc, EDF oder France Telecom lesen meistens ihre regionalen Zeitungen oder L´Equipe, wo in Fußball- und Radsportergebnissen lediglich Sieg oder Niederlage von Bedeutung ist. Dabei sind gerade diese 120 Jahre zwischen dem Sturm auf die Bastille und den Gräbern bei Verdun und Sedan so spannend wie die Abenteuer  des Grafs von Monte Christo: Revolution, Revisionismus, neuer Royalismus, Gegenrevolutionen, Kriege und Niederlagen bis zum alles verändernden “Grand Guerre”.
Wer sich mit Zeitgeschichte beschäftigt (Zeit ist immer Geschichte) kann es sich so einfach nicht machen, wenn er in die Falle tappen sollte, die französische Revolution zum alleinigen Wendepunkt der neueren europäischen Geschichte zu stilisieren. Wenn man dann noch bedenkenlos behauptet, dass diese Revolution  vermeintlich in alle Welt exportiert wurde, sollte besser dabei bleiben heroisierende Fernsehproduktionen bei TF1,2, 3 ganz viele zu schauen und Paris St. Germain für einen Original Französischen Fußballverein halten.
Auch die Franzosen wissen unter den tausenden im Wind flackenden Trikoloren und den mit der Marsellaise lautstark untermalten Aufmärschen, den überschwenglichen Festen und der über Paris hinwegdüsenden Fliegerstaffel, deren Verbrennungsschmutz mit den Farben Rot, Weiß und Blau vermischt wurde, dass die fünf Republiken bis zu LREM (La republique en marche) viel zu viel von dem verschleiern, was in 231 Jahren geschehen ist. Dieses Jahr kurvt noch nicht einmal die Tour durchs Land, la Grande Boucle, bei der am 14. Juli seit jeher der Wunschetappensieger aus dem eigenen Land gefordert wird, was aber schon lange nicht mehr gelang. 2005 fuhr David Moncoutié mit hochgereckten Armen in Carcassonne über die Ziellinie und beendete eine lange Durststrecke. Der letzte Toursieger, oh je, da muss man schon weit zurück ins letzte Jahrhundert gehen, denn 1985 gewann Bernard Hinault, der neben Eddy Merckx, Miguel Indurain, Jacques Anquetil die Tour insgesamt fünfmal gewann. Dass es mit jenem arroganten Texaner irgendwann böse enden würde, sahen wir Radsportfans schon früh voraus.

A la plage

Tatsache ist aber, der 14 Juli fand mitten in Paris statt und der letzte Roi aus dem Geschlecht der Bourbonen wurde gestürzt und in den Bürger Capet verwandelt. Tatsache war auch, dass die anderen europäischen feudalistisch miteinander verwandeten Herrschercliquen Fracksausen bekamen und wohl schon ahnten, dass der von den schmutzigen und stinkenden Proletariern, Leibeigenen und Kleinbauern ausgelöste Umsturz ein frei gesetztes Virus war, dass sich auf Adlige spezialisierte (wer adelt eigentlich wen) auch sie irgendwann erwischen würde. Und so war es auch, obwohl in einigen Ländern immer noch welche in ihren Schlössern die Steuern des gemeinen Bürgers verschwenden: Niederlande, Großbrittanien, Luxembourg, Belgien, Dänemark, Schwedern, Norwegen, Spanien, Thailand, Japan, Monaco, Liechtenstein und St. Pauli. Die arabischen Scheichs habe ich nicht mitgezählt, weil vieles unklar ist, wie sich die Wüstensöhne in höhere Dimensionen geschlichen haben. Das Öl kann zwar nicht reden, spricht aber eine eindeutige Sprache.
Das Virus ist heute wieder da, aber es mutierte und tauchte in einer anderen Form wieder auf. Man könnte aber vermuten, dass es mit dem Feudalkillervirus verwandt ist, weil aufmerksame Beobachter merkwürdige Gemeinsamkeiten gefunden wurden. Vielleicht kroch es durch eine lange Verkettung weltweiter Ereignisse und geosoziologischer Katastrophen letztendlich aus der feudalistischen Diebesbeute der europäischen Fürstenhäuser heraus und mischte sich unters gemeine Volk. Die Virologen sollten dieser Spur nachgehen und nicht nur mikrobiologisch forschen, sondern das große Ganze in Augenschein nehmen, denn auch die Pest hatte immer etwas mit arm und reich, Hygiene und Sterilität, Herrscher und Beherrschte zu tun. Covid-19 wirft uns in unserer Einschätzung der verflossenen Zeit weit zurück und setzt ausgerechnet das Nachdenken und Angedenken an die Ideale der Revolution wieder frei: Ohne Gleicheit keine Freiheit. Nur die Gleichheit aller kann Brüderlichkeit oder Solidarität in Freiheit gewährleisten. Die Solidarität schafft endlich die Gleichheit aller und öffnet der Freiheit alle Türen. Das neue Virus, ich meine die aktuell grassierende Covid-19 Pandemie, kennt keine Privilegien und keine Herrschaft der Wenigen über die Vielen, auch wenn sie sich mit all ihrem Geld, den Picassos, Laliques, Warhols und Eames-Möbeln in atomsicheren Bunkern oder gepanzerten Jachten zurückziehen und sich hinter Hochsicherheitszäunen mit bis an die Zähne bewaffneten Sicherheitsgorillas verschanzen. Vielleicht retten sie ihr Leben und das ihrer Brut, aber all das, was sie sich zusammengerafft haben, entstammt der sogenannten Mehrwertschöpfung oder der kapitalistischen Profitmaximieerung, einer Kette von Produktionsschritten, die immer von Lohnbeziehern oder Ausgebeuteten erwirtschaftet wird. Das Kapital oder die große Profitmaschine gerät durch den Ausfall dieser Menschen, die sich das Virus eingefangen haben, ins Stottern oder bricht ganz zusammen. Ohne diejenigen, die die Maschine am Laufen halten und plötzlich vom Virus befallen wurden, lassen sie die Wertschöpfungskette zum Erliegen bringen. Die Folgen können im besten Fall nur eine gesellschaftliche Neuordnung auf der Basis der Werte sein, die demokratisch oder postdemokratisch sozialisiert niedergeschrieben wurden. Zumindest kann eine Überprüfug aller staatlichen und institutionellen Strukturen hilfreich sein, um dem eigentlichen Ziel, Freiheit, Gleichheit und Solidarität näherzukommen. Auch wenn jetzt viele aufschreien, wird es ohne eine Umverteilung von oben nach unten nicht zu bewerkstelligen sein. Dazu passt die Petition von 83 Millionären* aus sieben Staaten, die anmahnen, dass die Folgen der Coronakrise nicht durch Wellfareevents oder Wohlfahrtsspenden ausgeglichen werden können, sondern dass eine Steuererhöhung gerade bei den ca. 3-5 Prozent Superreichen in der Welt von Nöten ist. Warren Buffet, George Soros und Bill Gates haben vor Jahren damit begonnen, ihr Kapital in Stiftungen zu geben, jetzt ist die Politik dringend gefragt, Nägel mit Köpfen zu machen oder die Kassen wieder so zu füllen, dass die notwendige Lebensqualität auch für die zur Ader gelassenen Milliardäre immer noch auszuhalten ist. Villa, Swimmingpool, SUV und Roadster und ein fettes Bankkonto sollte immer noch drin sein.

Inzwischen ist es schon lange Tag und der 14. Juli nimmt die Franzosen in ihren Bann, sofern sie nicht lieber im Bistro sitzen oder auf irgendeiner Pferderennbahn herumlungern. Im Fernsehen habe ich mir die große Parade in Paris angeschaut und dachte zuweilen, wieder ins 19. Jahrhundert zurückversetzt worden zu sein. Dieses Jahr zelebrierte der Eventstab des Elysee die Feier erheblich abgespeckter als sonst, weil Corona die Kontrolle über das Etikett genommen hat. Kein Massenauflauf von Zuschauern, nur geladene Gäste, wesentlich waren die Protagonisten, die während der Coronaseuche ihr bestes gegeben haben. Die Zeremonie fand etwas weiter vom Arc de Triomphe auf der Place de la Concorde entfernt statt. Trotzdem bot die militärische Abteilung der französischen Politik alles auf, was so eine Atommacht alles zu bieten hat, auch wenn es zuweilen eher nach einem Umzug zur Präsentation ornamental ausstaffierter Kleidungsstücke aussah.Die militärische Haute Couture der französischen Streitkräfte jeglicher Art bewies wieder einmal, dass Kleider nicht nur Leute machen, sondern chice Uniformen Respekt, Ordnung und Macht einflößen können. Diese Modeschau der maßgeschneiderten Kostüme verdeutlichte dermaßen die hierarchischen Strukturen eines freiheitlichen Staates, dass wir und unsere Kinder noch lange von diesem etatistischen Unsinn der Symbolvisulasierung auf Staatskosten belästigt werden. Ganz süß fand ich die Choreografie der Cepi Blancs,  der berühmt und berüchtigten Legion Etranger, die mit Schwung und sichtlichem Engagement ein Potpourri der 4/4 Vierteltakt Melodien auf die Pflastersteine vor dem großen Obelisken am Place de la Concorde trampelten. Nachdem sämtliche Trachtengruppen des Militärs, der Feuerwehr und der Polizei an den Ehrentribünen und President Macron nebst Gattin und Verteigungsministerin vor dem Obelisken vorbeidefiliert waren und die Parade sich dem Ende näherte, erschienen Zivilisten in ihren jeweiligen Arbeitskleidungen und stellten sich unmittelbar vor eine aufgespannte Riesentrikolore unmittelbar in der Nähe des Staatsoberhauptes, um von der versammelten Entourage besonders gefeiert zu werden. Es waren die Helden_innen des Coronadesaster, des Krieges gegen das Virus: Ärzte, Krankenschwestern, Feuerwehrleute, Transportfahrer und alle, die sich während der großen Krise die Beine ausgerissen und die Nerven blank geputzt hatten. Macron bedankte sich an ihnen vorbeigehend bei jedem Einzelnen und schien sich selbst dazu zu zählen, schließlich war er der oberste Dienstherr im Lande. Das kann aber auch täuschen, denn die Mimik von Politikern in derartigen Festivitäten sind schwer einzuschätzen. Eine leichte Brise wehte Macron eine Locke auf die Stirn und einen Moment dachte ich, dass ein napoleonischer Geist irgendwo seine übersinnlichen Kräfte genutzt hatte, um die neue Politik des Mannes an der Spitze zu verdeutlichen. Danach zog er sich eine Schutzmaske an, was dann die meisten der anderen Gäste auch machten, um wahrscheinlich signalisieren zu wollen, dass die Krise noch lange nicht vorbei sei und dass das Virus immer noch unter uns lauert. Vielleicht war es auch ein Fingerzeig nach Bayonne, wo ein Busfahrer von Jugendlichen tot geschlagen und getreten wurde, weil er ihnen verbot, ohne Maske in seinen Bus zu steigen. Es war auch ein Wink nach Nizza, wo Nächte zuvor tausende auf der Promenade des Anglais ohne irgendwelche Präeventionsmaßnahmen eine wilde Party gefeiert hatten. Dass allerdings zuvor sämtliche Militärangehörige ohne Schutzmasken am Präsidenten vorbei defiliert waren und man auch bei den Gästen keine Schutzmaßnahmen sah, war sicherlich der Regie eines obersten Militärs zu verdanken, der sich eine Armee mit Maske beim besten Willen nicht vorzustellen mochte. Wenn es denn so war.

Die Geschäfte in der neugebauten Konsummeile in Le Havre in den alten Docks sind nehezu verwaist, dort wo ein neues Commerce-Zentrum für Umsätze sorgen soll herrscht Tristesse. Man sieht nur selten Schiffe, die die Seine bergauf fahren, auch die großen Pötte mit den Containern und die Kreuzfahrtschiffe (die ohnehin momentan wegen mangelnder Nachfrage trotz Kampfpreisen in den Häfen dösen) gleiten nicht ins Hafenbecken. Die Stadt ist merkwürdig leer und über allem hängt eine Art Depressionswolke, die sich immer weiter aufbläht und sich irgendwann einmal in gewaltigen Wolkenbrüchen auf die Erde ergießen wird. Heute am Nationalfeiertag hat man den Eindruck, dass alle zuhause geblieben sind. Zumindest hüllte sich der Morgen des 14. Juli in Nebel und Le Havre sah aus, als wolle es sich und seine Hafenanlagen vor dem Ungemach weltlicher Übergriffe verstecken. Allerdings strahlten frühmorgens urplötzlich einige Beamer die beiden hohen Schornsteine der Energieversorgung mit den Farben der Trikolore an, um der Stadt wenigstens ein wenig nationalen Glorienschein zu verleihen.
Würde man sich ohne phantastische Verschwörungsgedanken der Meinung annähern können, dass Covid-19 die Rache der Geschichte an der Menschheit im Zeitalter des Anthropozäns ist, weil es der Mensch war, der die Erde der drohenden Vernichtung preisgegeben hat? Um es klar zu stellen, damit ist nicht die aktuelle Weltbevölkerung gemeint, damit wird die gesamte Entwicklung vom ersten Feuerstein und Flitzebogen bis zum selbst fahrenden Auto ins Visier genommen. Klingt ziemlich verwirrt, meinen Sie, ja, aber man wird in diesen Zeiten doch noch laut denken können?

Natürlich raffte die Spanische Grippe sehr viel mehr Menschen dahin, natürlich haben wir die Ausbrüche von Pest, Pocken, Malaria und Cholera irgendwie im Laufe der Jahrhunderte immer wieder überlebt, aber noch nie war die Welt miteinander in eine kaum zu entwirrende Abhängigkeit geraten. Ebola, H1N1, HIV waren in den letzten 50 Jahren schon schlimm genug und deutliche Warnungen, dass Infektionen keiner menschlichen Regie Folge leisten. Ein Beispiel. Eine Errungenschaft des Fortschritts wie die Taschenlampe ist so abhängig von der Batterie wie die Batterie ihrerseits abhängig vom Lithium ist, das der schlecht bezahlte Arbeiter aus der patagonischen Erde gebuddelt hat, um den außergewöhnlichen Stoff dann per Schiff über den Ozean in einen Hafen wie Le Havre zu transportieren. Das selbstfahrende Auto braucht Akkus und bislang sind diese Akkus relativ groß, um einen Wagen mindestens ein paar hundert Kilometer am Fahren zu halten. Auch diese Akkus brauchen die seltenen chemischen Stoffe, die irgendwo in der Erde liegen. In Chile wütet das Virus, aber die Wissenschaft fand inzwischen heraus, dass der stachelige runde Teufel besonders in größeren  Menschenansammlungen sein verheerendes Unwesen treibt. Patagonien ist nicht sehr dicht besiedelt, aber ein Schiff kann auch nicht vor Patagonien beladen werden, ein Schiff braucht in den heutigen Dimensionen der Ozeanriesen zumindest eine Pier und einen Kran, der die schwere Last in die Bäuche der Schiffe verbringen kann. Alles hängt mit allem zusammen und ich vermute, dass viele dieser Trikoloren, die um jeden Laternenmast schmückend gewunden wurden, aus irgendeinem Textilverarbeitungswerk des Fernen Ostens stammen. Man könnte daggegen halten, dass Textilien mit Flugzeugen ebenso gut und sogar noch schneller transportiert werden können wie mit Schiffen, aber Flugzeuge brauchen Landerechte, brauchen Sprit, brauchen willige Menschen, die laden und entladen, fliegen und landen. Das Problem ist der Mensch und seine Angst vor dem unsichtbaren Killer, von dem man nur weiss, dass er überall existent ist. Auch wenn die jeweiligen Regierungen, die sämtliche zur Verfügung stehenden präventiven Maßnahmen mobilisieren, um die schlimmsten Auswirkungen der Pandemie zu verhindern, solange das Virus nicht genau identifiziert ist, heißt es, Vorsicht walten zu lassen. Gerade wenn Güter aus dem fernen Osten kommen, wird der Mensch hierzulande vorsichtig und neigt aktuell dazu, Verdacht zu schöpfen, weil er von Drosten und Wieler gelernt hat, dass das Virus zunächst in China den zoonotischen Wandel vollzogen hat, um dann von Mensch zu Mensch zu hüpfen wie der Hundefloh von einem Köter zum anderen, ohne dass man etwas dagegen tun kann. Zumindest bei Hunden. Beim Menschen ist es aber eigentlich viel schlimmer, denn er fühlt sich hilflos hinter seiner Maske, auch wenn er mit anderthalb Metern Abstand zu seinem Nächsten hält und dadurch das Risiko laut Hyginievorschriften verringert. Ein Impfstoff wäre die adäquate Lösung, aber dieser wie auch immer geartete Vakzine kann nicht schwuppdiwupp wie ein Schokoladenbonbon aus einem Automaten gespuckt werden. Der zu findende Impfstoff ist das große Geheimnis, ein Zauber aus dem Reich der großen, unbekannten Welt der Mikrobiologie, eine Stecknadel in einem sehr großen Heuhaufen. Auch wenn zehntausend Virologen Tag und Nacht alles ausprobieren, um diesen Impfstoff aufzuspüren und zu generieren, muss er, wenn er denn gefunden wird, getestet und wieder getestet werden, um danach von strengen Obervirologen zugelassen zu werden, um ihn erst dann in größeren Mengen zu produzieren. Das klingt ernüchternd, aber wie sagte man früher: Rom wurde auch nicht an einem Tag erbaut. Nach heutigen Erkenntnissen ist es aber durchaus möglich, dass Rom in wenigen Sekunden ausgelöscht werden kann. Der Vergleich mit Rom hinkt, hinkt wie fast alle Vergleiche, aber irgendwie muss man doch den Menschen ein Bild geben, damit sie verstehen lernen, was hinter all der Ungewissheit steckt. Lieber ein hinkendes Bild als gar keins, oder? Wer versteht schon in einer Welt, die offensichtlich alles auf Knopfdruck erledigen kann, dass ausgerechnet ein winzig kleines Lebewesen die Welt in die größte Krise seit dem 2. Weltkrieg stürzt. Das Virus lebt ausschließlich davon, in seinem Wirt, in diesem Fall uns, andere wichtige, ebenso kleine Lebewesen zu zerstören. Seit fast 5 Monaten hat Corona die Welt im Griff und da ist es in unserer schnelllebigen Zeit nicht verwundeerlich, dass alle neervös werden, dass der Unhold nicht dingfest gemacht werden kann. Weil wir uns angewöhnt haben oder uns angewöhnt wurde, die Zeit immer zu überholen, können wir nicht verstehen, dass es Prozesse gibt, die manchmal eine lange Zeit brauchen, ehe sie uns ihre nützlichen Eigenschaften zur Verfügung stellen. Die Ungeduld, die durch den allgemeinen Machbarkeitswahn entstand, wirft uns auf uns selbst zurück, denn wir können die Zeit nicht überlisten und wir stehen manchen Entwicklungen machtlos gegenüber, weil wir vergessen haben, dass keine Materie unendlich in unserer Erdmaterie vorhanden ist und selbst die Entdeckung der Digitaltechnologie wie der daraus abgeleiteten KI an dieser Tatsache scheitert. Die Fortschrittsgläubigkeit und die permanente Indoktrination, dass der Mensch alle Hindernisse überwinden kann und für jedes Problem eine Lösung findet, zeigt uns gerade im Finden eines Impfstoffes, dass uns die Überheblichkeit, das Leben vollkommen im Griff zu haben, ein Schnippchen geschlagen hat. Vielleicht hängt alles damit zusammen, dass das Leben endlich ist und der Tod allem eine Grenze setzt. Oder könnte es sein, dass wir uns nicht eingestehen können, dass wir den Tod nicht mit der rastlosen Suche nach einem unendlichen Leben besiegen können?

W.N. 15. Juli 2020

 

*Dr. Mariana Bozesan, der Gründer der Warehouse Group, der Neuseeländer Sir Stephen Tindall, der britische Drehbuchautor und Regisseur Richard Curtis, die US-Filmemacherin Abigail Disney und der Mitgründer der US-Eismarke Ben & Jerry’s, Jerry Greenfield. Die Unterzeichner-Gruppe nennt sich “Millionaires for Humanity”.

https://www.seine-maritime-tourisme.com/fr/je-decouvre/10-lieux-incontournables/le-havre/le-havre.php

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http://www.nicer-art.de/folio/new-wow-now.html

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