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Palermo Walking

Der erste Rundgang durch einen kleinen Teil der Stadt war schon so beeindruckend, dass ich mehrere Fotos ohne Kommentar in den Blog setze. Nachdem wir um 9 Uhr morgens in die Stadt gelaufen waren, schien es den Eindruck zu haben, als würde die gesamte Agglomeration noch in den Federn liegen, aber nach der Mittagszeit entwickelte sich das Zentrum mit den angrenzenden Stadtteilen zu einem Melting Pot vieler Völker mit unterschiedlichen Hautfarben zu einer lebendigen und geschäftigen Metropole. Der Sizilianer und sein prekäres Schicksal nimmt natürlich eine besondere Stellung ein, aber wir befinden uns an einer wichtigen Schnittstelle zwischen unserem Europa und dem am anderen Ufer des Mittelmeeres gelegenen Afrika. Hier wird einem auch bewusst, dass wir keinesfalls im Mittelpunkt einer Insel der Glückseligen leben.

In der Innenstadt kann man mit kleinen Bussen umsonst umherfahren und gerade in den Vierteln, wo die normale Bevölkerung ihrem Tagesablauf nachgeht, erschien mir wie in allen größeren Städten, in denen wir seit Jahren unsere Touren organisiert haben, als besonders anziehend. Es gibt so viel zu sehen und die Stadt ist reich an allem, dass es für jeden, der wie Goethe oder Wenders und viele andere einmal hier waren, eine große Herausforderung der Entdeckungslust sein wird.

Palermo ist die größte Stadt Südeuropas, bis Nordafrika ist es für die modernen Verkehrsmittel ein Katzensprung. Diese Stadt schien vergessen und diese Stadt ist es wert, von uns reicheren Nordeuropäern besucht und wert geschätzt zu werden. Das von sehr eigenwillig rechten Kräften beherrschte Norditalien würde  Süditalien am liebsten ausbürgern, weil es nur noch ein Zuschussbetrieb ist. Aber lesen wir Goethe und Seume und schlendern durch die Straßen und Gassen dieser mit einem besonderen Charme gesegneten Stadt. Beglückt von einer einzigartigen Atmosphäre, die man nur hier finden kann.

Wenn wir Europa als Kontinent und als Einheit sowie als als Zukunftsprojekt sehen wollen, ja müssen, ist es dringend notwendig diese Peripherie, die im Eurozentrismus so selten Beachtung findet, wieder zu beleben. Wir müssen mit allen Mitteln diese Randgebiete des Mittelmeeres so unterstützen, dass die Tendenz, den Süden nur als schönes Ferienziel zu sehen, in die Akzeptanz unserer europäischen Idee den Raum einnimmt, der ihr gebührt. Wie letztes Jahr in Athen müssen wir uns immer vor Augen halten, dass Europa nicht nur Brüssel, Berlin, London oder Paris ist, sondern vom Nordkap bis nach Lampedusa reicht.

Das war der erste Tag und wir werden Tag für Tag Palermo so erkunden, dass es wie Marseille, Athen oder Lissabon immer in unseren Gedanken bleibt.

Wolfgang Neisser, 21. März 2018