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Museo Fondazione Orestiadi bei Gibellina Nuovo

Das Museo delle Trame Mediterraneé in Gibellina nuova, oberhalb des Ortes im Landsitz „Baglio di Stefano“ in der ursprünglich belassenen Natur gelegen, bietet einen einzigartigen Blick in die Traditionen dreier Kontinente und deren religiösen Wurzeln: Europa, Afrika und Asien mit den Einflüssen des Hebräischen, des Christentums und des Islam. Archäologische Fundstücke und Sammlungen traditionell genutzter Gegenstände wie Schmuck, Textilverarbeitung, Keramik werden im Kontext mit zeitgenössischer Kunst in den weitläufigen Räumen des alten Gehöfts ausgestellt.
Nach dem großen Erdbeben von 1968, als die Ortschaften Poggiorreale, Salaparuta, Montevago und Gibellina im Belice-Tal nahezu dem Erdboden gleichgemacht wurden, entstand 1993 auf Initiative des Ludovico Corrao diese Landgut für die Kunst der Gegenwart mit Hinweisen auf die Traditionen der Vergangenheit. Corrao, ein junger, Kunst interesssierter Intellektueller, der auf zahlreichen Reisen seinen kunstaffinen Neigungen nachging, sammelte den größten Teil der ausgestellten Kunstobjekte, die im Museo Orestiadi zu sehen sind. Der Landsitz „Baglio di Stefano“ wurde zwar auch bei dem Erdbeben zerstört, aber mit Hilfe renommierter Architekten wieder so aufgebaut, dass in dem aus mehreren Gebäuden bestehenden Gehöft das Museum mit der Sammlung und weiteren Leihgaben oder Ankäufen installiert werden konnte. Außerdem gab es eine Stiftung der Kunstzeitschrift „Labirinti“, die vom Verlag Feltrinelli vertrieben wurde. Das Projekt litt über die Jahre immer wieder an Geldsorgen und hatte mit bürokratischen Hindernissen zu kämpfen, die sogar eine teilweise Schließung im Jahre 2015 nach sich zog. Aber die Initiatoren und später allen voran, der derzeitige kuratorische Leiter Enzo Fiammetta, hielten mit Energie und außergewöhnlichen Kulturevents das Museum wie die vielen temporären Aktivitäten als eines der außergewöhnlichsten Kunstorte in Sizilien am Leben.

Der Name Orestiadi hat seinen Ursprung wahrscheinlich vom Begriff des italienischen Kulturtheoretikers Emilio Isgro, der das Buch „Die Gibellina Oresteia und andere Texte für das Theater“ schrieb. Die Orestie (Oresteia) ist eine vom griechischen Dramatiker Aischylos geschriebene Trilogie aus dem 5. Jahrhundert vor Chr., in der die Ermordung des Agamemnon durch Clytaemnestra thematisiert wird.

Im ehemaligen Getreidespeicher „Il Granaio“ ist die Sammlung zeitgenössischer Kunst ausgestellt, die mit so bekannten Namen wie Arnaldo Pommodoro, Pietro Consagra, Antonio Pasqualino, Enrico Caruso, Roberto Matta, Bob Wilson, Peter Briggs, Richard Long oder Mimmo Paladino seine Qualität beweist. Orestiadi wurde als ein multikulturelles Zentrum geplant und beherbergt immer wieder junge Künstlergruppen und bemüht sich um Aktualität mit neuen Ausstellungen. Auch jetzt, im Jahre 2018, konnten wir uns überzeugen, wie eine junge Gruppe finnischer Studenten in den Ateliers arbeitete. Bekannt wurde der Kunstort durch seine Theateraufführungen innerhalb eines Festivals, in dem griechische Klassiker ebenso wie zeitgenössische Theaterinszenierungen gezeigt werden. 

Einige Kilometer weiter ist eines der größten und bekanntesten Landartkunstwerke zu sehen, die es weltweit gibt. Die Häuser und Gebäude, wie Straßen und Gassen, die das Bild des ehemaligen Gibellina ausmachten, gestaltete der italienische Künstler Alberto Burri zwischen 1973 und 1976 als das weltweit bekannte Kunstwerk „Il Cretto di Gibellina“. Die Fläche der Ortsgemarkungen überzog er mit einer maßstabsgerecht gestalteten Cellotexdecke von 1,5 Meter Dicke, die den Grundriss des Ortes nachempfindet. Das mehrere hundert Quadratmeter große „Leichentuch“ aus einem Material, das Wind und Wetter trotzen kann, liegt wie ein großer weißer „Schand“Fleck inmitten der grünen Landschaft.  

Bei unserem Besuch im Museum wurden wir von einem Angestellten durch sämtliche zugängliche Räume geführt und über die einzelnen Kunstobjekte detailgerecht informiert. Der Besuch war eines der beeindruckensten Erlebnisse auf unserer Suche nach zeitgenössischer Kunst in Sizilien im Kontext der sizilianischen Geschichte.    

Übrigens unterhält die Fonadazione eine zweite Kunststätte, die ihren Sitz in einem historischen Gebäude in der Medina von Tunis hat.