Allgemein

ARLES 2019

Athen

Avignon

Berlin

Corona - Folgen

Filmkritik

Le Havre

Marseille

Palermo und die Manifesta

Riviera 2020

Sizilien und Palermo

Venedig 2017

Venedig Biennale 2019

Virum Warum Wünschelrute

Bevor das Virus mit irgendeinem Flugzeug nach Europa kam und sich allmählich überall unbeliebt machte, kannte ich den Namen Corona lediglich aus Werbeclips, die eine mexikanische Bierplörre als Trendgetränk bewarben. In der Alltagsbeobachtung fand ich heraus, dass dieses Bier genannte Gesöff besonders von Youngstern und Wochenendhedonisten getrunken wurde, die gerne den Anschein erwecken wollten, irgendwie einzigartig oder cool wirken zu müssen. Das kenne ich aus eigener Erfahrung gut, denn in meiner Studentenzeit rauchte ich eine zeitlang Gitanes Papier Mais, um meinen Kommilitonen zu signalisieren, einem francophilen Bohemien ähnlich zu sein, dem das Deutschsein bis zur Unterkante Oberlippe stand. Natürlich hat mir das kaum jemand abgenommen, weil das Deutschsein schon an der Kleidung zu erkennen war – trotz Levis und Wildlederjacke mit Fransen. Also wurde ich eher als Lucky-Luke-Verschnitt wahrgenommen. Zusätzlich konnte ich lediglich einige französische Floskeln mit verwegenen Akzent intonieren, die mir allerdings bei meinen Tramptouren in Frankreich zumindest das Notwendigste zum Überleben sicherten: Une baguette jambon blanche oder un demi s´il vous plaît, voulez vous, was auch immer.

Mit Blick auf meine medizinisch geprägte Vergangenheitsbewältigung hatte ich als Jugendlicher einige Male mit psychosomatisch bedingten Coronarbeschwerden zu tun, die mir große Angst einjagten, aber vollkommen harmlos waren. Schon nach meiner ersten Romanze war mir bewusst geworden, dass alles irgendwie mit dem Herzen zu tun hat. War das nicht ohnehin schon ein Lebensmotto: Ein Herz und einen Kronenkorken?

Das redundant in allen Medien pausenlos gezeigte Modell dieses kleinen viralen Fieslings sieht eher wie zwei aneinander geklebte Seeigel aus oder ähnelt einem Nadelkissen vollgesteckt mit Rundkopftecknadeln. Wir können uns freuen, dass das Virus für den Normalbürger nicht sichtbar ist, denn wenn man die Milliarden verpickelten kleinen Kugeln überall sehen könnte, würde man sich anstatt mit einem Mundschutz unkenntlich zu machen eher eine Ritterrüstung aus Corténstahl anziehen. 

Als der Namen des C. seine erste Runde drehte, konnten die meisten Menschen nichts mit dem Begriff Corona anfangen, dabei war er schon seit so vielen Jahren bekannt und nur wenige erinnerten sich, dass 2003 ein naher Verwandter, so zu sagen der kleinere Bruder des aktuellen Virus für weltweite Aufregung sorgte, ohne dass diese Zeit nachhaltig als Warnung in den Gedächtnissen der Menschen haften blieb. Ich selbst kann mich nicht erinnern, weil sich in jenem Jahr meine Gedanken ganz woanders herumtrieben.
Bei meinen Recherchen, die ich aus Kontaktsperregründen bislang nur im Internet durchführen konnte, fand ich seltsamerweise sehr wenig über die Zeit der Epidemie von 2002/2003, was darauf schließen lässt, dass das Internet keineswegs der große Alleswisser ist. Schon vor einiger Zeit ist mir klar geworden, dass man zur Wahrheitsfindung immer noch Bibliotheken und Erfahrungsberichte benötigt, wenn man sauber über wissenschaftliche, geschichtliche oder politische Themen schreiben will.

Offensichtlich erkrankten damals zunächst Menschen in Guandong, einer Provinz in Südchina, wobei aus Gründen des Unbekanntheitsgrades des Virus wie der daraus entstandenen Erkrankung medizinisches Personal vermehrt betroffen war.

Wie jetzt bei Covid-19 waren auch 2003 viele Experten ratlos und die chinesischen Behörden verweigerten der Weltöffentlichkeit sehr lange alle Presseberichte oder Insiderinformationen aus den Infektionsgebieten. Transparenz und Zusammenarbeit hätte viele Menschen retten können – ein eingespieltes Verhalten des chinesischen Staatskapitalismus, welches aktuell wieder zu beobachten ist, wenn man die offiziellen Zahlen über die Todesfälle mit den tatsächlichen sterblichen Überresten der Epidemie vergleicht.
Die FAZ vom 03.04.2020 schrieb: „Nach wochenlanger Ausgangssperre durften die Angehörigen erstmals die Urnen ihrer Verstorbenen abholen. Doch die große Zahl der Wartenden machte viele stutzig, zumal Sicherheitsleute versuchten, Fotos von den Schlangen zu verhindern. Ein Lastwagenfahrer erzählte der Zeitschrift „Caixin“, er habe allein einem der acht Beerdigungsinstitute innerhalb von zwei Tagen rund 5000 Urnen geliefert . . . . .

Damals wie heute erkrankten Kinder wenig häufig und die Inkubationszeit betrug ungefähr 5-10 Tage. China und die anderen betroffenen Länder verzeichneten während der gesamten Epidemie fast 800 Todesfälle. Weltweit traten 8096 Infektionsfälle auf: China, Malaysia, Taiwan, Vietnam, Philippinen, Myanmar, Südafrika, Frankreich, Kanada und Französisch Guayana).
In einem kanadischen Institut wurde die RNA-Sequenz (Ribonukleinsäure – für diejenigen, die etwas von Virologie verstehen) entschlüsselt. Die WHO nannte das Virus SARS-assoziiertes Coronavirus (SARS-CoV). Nachdem das Virus identifiziert worden war, entwickelten die Virologen Drosten und Günther vom Bernhard-Nocht Institut zwei Tage später einen diagnostischen Test, der daraufhin weltweit genutzt wurde.

Zunächst dachten die Wissenschaftler, dass die Pandemie zum Ende des Sommers abgeklungen sei, aber 2004 tauchten neue Infektionsfälle in Ostasien, vor allem in China auf. Laut FAZ vom 13.01.2004 wurden daraufhin tausende Wildtiere, die mit der Entstehung des Virus in Verbindung gebracht wurden (Fledermäuse, Schuppentiere etc) gejagt und getötet.

Bei der Suche nach Antworten, warum in den 17 Jahren zwischen SARS-CoV und Covid-19 heute so wenig geschehen war, verfing ich mich in einer Vielzahl von Meldungen und Forschungsberichten, die ich aufgrund meines thematischen Unwissens nicht entschlüsseln oder verstehen konnte. In diesem Zusammenhang greife ich die Stimme des Biochemikers Prof. Rolf Hilgenfeld aus Lübeck auf, der zum Thema „Impfstoff“ befragt wurde. Hilgenfeld forscht schon seit 20 Jahren, um einen Impfstoff gegen die Coronaviren zu finden. In Zusammenarbeit mit chinesischen Wissenschaftlern scheint es ihm  gelungen zu sein, eine Enzym des neuen Virus zu entschlüsseln. Nach vielen Laborversuchen entwickelte er ein probates Mittel, um dieses Enzym lahmzulegen. Würde daraus ein Impfstoff oder ein Medikament entstehen, könnte verhindert werden, dass sich das Virus im Körper repliziert. Allerdings dauern Prozesse in der Forschung wie in der pharmazeutischen Entwicklung immer sehr lange, weil viele Tests durchgeführt werden müssen und abschließende Prüfungen im Paul-Ehrlich-Instituts sich ebenso verzögernd auswirken. Laut Prof. Hilgenfeld und dem Sprecher des Paul-Ehrlich-Institutes könne man frühestens 2021 mit einem Impfstoff rechnen.

In der Fernsehsendung „report“ beklagte Hilgenfeld, dass die Coronaviren viel zu lange unterschätzt worden seien und dass die Forschung staatlich ausgebremst worden seien, indem Forschungsgelder nicht bewilligt wurden, obwohl jeder Insider wisse, dass ohne Geld die beste Forschung auf der Stelle treten würde. Prof. John Ziebuhr von der Universität Giessen merkt an, dass Zeit genug gewesen wäre, ein Mittel zu finden und dass bei vernünftiger Finanzierung längst ein Impfstoff hätte gefunden werden können. Allerdings blieben die Finanzierungsmöglichkeiten aus der Pharmaindustrie aus, weil wenig Interesse vorhanden war und die Entwicklung eines derartigen Medikaments keinen Profit versprach. Potente Geldgeber aus den USA und China geben sich allerdings in den Laboren die Klinke in die Hand, um die deutschen Forschungsinstitute nicht nur zu ködern, sondern auch um die deutschen Patente aufzukaufen oder die Forscher in ihre Länder zu locken.
Ob es in anderen europäischen Länder ebenso ist, war in der kurzen Zeit nicht herauszufinden. Es gibt schon zu denken, dass aus dem Bildungs- und Forschungsministerium lange Jahre auch kein Geld kam. Inzwischen hat die Ministerin Frau Karliczek Millionen Hilfs- und Fördergelder versprochen, die vor einem eventuell absolutem Gau noch kommen sollen. (in der ARD-Mediathek vom 24.03.2020)

Fakt ist, bis eines dieser Medikamente oder gar ein Serum verfügbar sein wird, müssen viele Wünschelrutengänger schwitzend die Petrischalen schütteln. Uns muss klar sein, dass Monde vergehen werden, ehe wir wieder die Friedens- und Freiheitspfeife gemeinsam rauchen können. Bis dahin wird hoffentlich auch dem letzten Kader des chinesischen Zentralkomitees der KPC mit und ohne Kontrabass, mit und ohne Mundschutz klar geworden sein, dass Fledermaussuppe nur als Delikatesse für die Hazardkrieger des Dr. Fu Man Chu gebraut wurde.
Schließlich lieben wir alle die ostasiatische Küche und es wäre schade, wenn uns durch einseitiges Fehlverhalten und Vorurteile dieser Genuss verwehrt werden würde. Wie genussvoll erlebt man den Verzehr einer Pekingente, wenn man dabei nicht an irgendwelche unsichtbaren Biomoleküle denken muss.

Konfuzius sagt: „Eine Freundschaft ist wie eine Tasse Tee. Sie muss klar und durchscheinend sein, und man muss auf den Grund schauen können.“

Zum Abschluss ein Ausschnitt einer Rede des berühmten Indianerhäuptlings Tatanka Yotanka, den die weißen Siedler und die Militärs „Sitting Bull“ nannten:

  1. Doch hört mich, Söhne meines Volkes: Wir haben es jetzt mit einer anderen Rasse zu tun! Klein und schwächlich waren sie, als unsere Väter ihnen das erste Mal begegneten, doch jetzt sind sie groß und anmaßend. Seltsamerweise haben sie Lust, den Boden zu bestellen, und die Liebe zum Besitz ist bei ihnen wie eine Krankheit. Diese Leute haben viele Gebote erlassen, welche von den Reichen gebrochen werden dürfen, von den Armen jedoch nicht. Sie erheben Abgaben von den Armen und Schwachen, um die Reichen und Herrschenden zu ernähren. Sie beanspruchen unsere Mutter, die Erde, als ihr Eigentum und grenzen sich gegen ihre Nachbarn ab. Sie verschandeln die Erde mit ihren Gebäuden und ihrem Abfall. Jenes Volk ist wie ein Fluss im Frühling, der über seine Ufer tritt und alle vernichtet, die ihm in den Weg treten“ . . . . . . 

Wolfgang Neisser, 03.04.2020

nicht allein zuhause und im Labyrinth der Wörter unterwegs