2023 Alles muss anders werden

Allgemein

ARLES 2019

Athen

Avignon

Berlin

Corona - Folgen

Filmkritik

In the year 2021 on earth

Kultur und Tourismus

Le Havre

London 2023 Slough

Marseille

Palermo und die Manifesta

Riviera 2020

Schweden Stockholm

Sizilien und Palermo

Südwestfrankreich

Venedig 2017

Venedig Biennale 2019

Die Serpentinen der Hl. Rosalia

Großer Schreck am Morgen. Mein Geld ist weg. Gestern waren Eva und ich bei Feltrinelli, dem bekannten Bookstore in der Innenstadt, ich habe wichtige Filme gekauft. Unter anderem „Salvatore Giuliano“. Ich habe bezahlt und den Clip mit den Scheinen wieder in meine Hosentasche gesteckt. Dann sind wir noch ein wenig rund um das Teatro Massimo gelaufen und haben dann den Bus Richtung Giardino Inglese genommen, in dessen Nähe unser Apartment liegt. Nach dem Essen haben wir einen Film gesehen und heute Morgen stelle ich fest, dass mein gesamtes Bargeld fehlt. Suchaktionen und Stoßgebete zum Hl. Antonius haben nichts geholfen. Das macht erst mal komplett malade in der Birne. Aber was soll ich machen, es war nichts zu finden und entweder habe ich es verloren oder es wurde mir im Bus stibitzt. Da hilft keine Polizeiaktion und kein komprimiertes Insichgehen, futsch ist futsch. Vielleicht tröste ich mich damit, indem ich mir sage, da habe ich einem Sizilianer eine große Osterfreude bereitet.

Um Frust und Enttäuschung, aber auch schwelende Wut zu kompensieren, aber auch, weil es für unsere Tour notwendig war, sind wir zu Fuß auf den Monte Pellegrino, bzw. zum Santuario Santa Rosalia gelaufen. Gelaufen ist gelinde gesagt eine Untertreibung, denn man bewegt sich steil aufwärts in spitzwinkligen Serpentinen von 0 auf ca. 470 Meter. Und bis auf die letzte 100 Meter geht es auf einem steinigen Pilgerpfad immer bergan. Insgesamt werden es ungefähr 3,8 Kilometer gewesen sein, aber man bedenke, dass am Anfang die Neigung des Berghanges ca. 40-45 Grad maß. Das kocht alles ab, alle Enttäuschungen und perfiden Gedanken. Eine Via Dolorosa für Büßer, Masochisten und Demütige. Aber irgendwann schüttet der Körper Dopamin aus und dann könnte man auch bis Jerusalem latschen. Es scheint überhaupt nicht enden zu wollen und dann steht man auf einmal vor einem schlichten Barockgebäude, geht hinein und befindet sich in der Höhle der Hl. Rosalia. Ein spirituell aufgeladener Raum ausufernder Devotionalien-präsentationen. Unterhalb des Heiligtums gibt es aber ein paar Trattorias und in einer davon mussten wir erst einmal eine dem ausgelaugten Körper dienliche Stärkung zu uns nehmen. Eva wollte unbedingt im Wald noch eine Statue der Büßerin Rosalia suchen und da sagte mir mein eingebauter Frustrationsschwellenanzeiger, dass es besser sei, tranquilo zu bleiben. Ich habe also gestreikt und bin im Einverständnis mit Eva allein mit dem Bus 812 zurück nach Palermo gefahren. Der Busfahrer fuhr die serpentinenreiche Straße wie eine besengte Sau in ca. 10 Minuten hinunter, vor den Kurven hupend und immer mit Vollspeed. Für die nächsten Tage habe ich die aktuell medial propagierten 10.000 Schritte in erheblichem Maße überzogen und kann es nun ruhiger angehen lassen. Mal sehen, was sich noch alles ereignet.

Wolfgang Neisser, 26. März 2018