Allgemein

Athen

Avignon

Berlin

Palermo und die Manifesta

Sizilien und Palermo

Venedig 2017

Das Erbe von Joseph Whitaker

Die Gegend zwischen Trapani und Marsala an der Westküste Siziliens ist bekannt für den traditionellen Salzabbau in Meersalinen und den berühmten Marsala-Süßwein, der in allen besseren Küchen der Welt eine wichtige Zutat für delikate Speisen bedeutet. Eine Rinderzunge in Marsalasauce ist eines der bekanntesten Gerichte, die mit Marsala verfeinert wird. Vom Imbarcero Storico di Mozia gelangt man in einer knappen Viertelstunde mit einem kleinen Tuckerboot für Passagiere zur Insel Mozia (Motia, Mothia), die das Museo Whitaker beherbergt. Ein Museum, in dem Fundstücke der ehemaligen Besiedlung durch die Phönizier zu sehen sind, denn die Insel, die man in einer guten Stunde umrunden kann, war eine kleine Stadt der Phönizier, die vor ca. 2800 Jahren dort gelebt haben. Die Insel beherbergte in dieser Zeit eine sehr große Töpfereifabrikation und auf dem gesamten Areal wurden in Ausgrabungen relativ gut erhaltene Gebauchsgegenstände und Grundmauern der ehemaligen Besiedlung gefunden. 

Das Museo Whitaker wurde vom Weingutbesitzer Joseph (Giuseppe) Whitaker gegründet, der sich als reicher Philantrop der Ornithologe und anderen Wissenschaften widmete. Als Ornithologe kam er auf die Insel, um die Vielfalt der Vogelwelt zu studieren und war so begeistert, dass er 1888 die gesamte Insel kurzerhand kaufte, um dort seinen Neigungen in Ruhe und mit Akribie nachzugehen. Er errichtete einen Landsitz, der heute das Museum beherbergt. 

Joseph Whitaker wurde 1850 in Palermo geboren, aber dessen Ursprungsfamilie stammt aus der Grafschaft Yorkshire in Großbrittanien. Die Whitakers hatten früh erkannt, dass der Weinanbau in Sizilien eine gute Investition mit größten geschäftlichen Erfolgen sein würde und schufen ein Weinimperium, deren Weine in der ganzen Welt gehandelt wurden. In Palermo kann man heute noch die ausgesprochen gut erhaltene und prunkvolle Villa Malfitano besichtigen, die der Stammsitz der Familie war. Aber Whitaker zog es immer mehr in die Einsamkeit der Insel Mozia und hielt sich in den meisten Jahren seines Lebens  vorwiegend dort auf. Er erkundete die Vogelwelt und trieb die archäologischen Ausgrabungen voran, die aufgrund hervorragender Ergebnisse sehr erfolgreich waren.

Die Insel war nicht schwer zu finden, wir fuhren die Autobahn bis kurz vor die Stadt Trapani und gelangten über eine kleine Landstraße zum Anlegeplatz der Passagierboote für die Überfahrt zur Insel. Im Boot sitzend sahen wir Windmühlen und die abgesteckten Gemarkungen der Salinenbassins vor dem Festland. Unweit des Landungsteges betraten wir das weiträumige Areal des ehemaligen Landsitzes und begaben uns in das Museum. Absoluter Glanzpunkt aller archäologischen Fundstücke ist der unmittelbar hinter dem Eingang stehende Auriga de Mozia, eine Jünglingsskulptur aus Marmor im archaisch-ionischen Stil aus dem fünften Jahrhundert vor Chr. 1979 fand man die Skulptur unter dicken Lehmschichten während neuerer Ausgrabungen. Diese Skulptur wurde 2012 anläßlich der Olympischen Spiele im British Museum in London in der Halle der Partenone ausgestellt. Aber das Museo Whitaker bot viel mehr an Zeichen der altertümlichen Perioden, als Phönizier, Etrusker und Römer auf der Insel gewirkt haben: Vasen, Masken, Schmuck, Tonlampen, Amphoren, kleine Statuen,Waffen, Amulette und Skarabäen. Im Vorraum des Museums kann man auf einem Modell der Insel die einzelnen Ausgrabungstätten maßstabsgetreu orten, um später mit diesem navigatorischen Wissen über die Insel zu wandern. Während unseres Rundganges über die Insel, haben wir uns alles genau angeschaut und sind nach ein paar Stunden wieder zurückgefahren, um auf der Rückfahrt die Tempelanlage bei Segesta zu besichtigen.

2012 stellte die Künstlerin Maria Christina Finucci die monumentale Installation „Help, The age of Plastic“ auf, die aus mehr als 5 Millionen farbigen Plastikflaschenverschlüssen bestand, die manuell von der Künstlerin und ihren Helfer_innen zusammengebaut und in Metallkäfige eingeschlossen wurden. Die so gefüllten Gitterkästen wurden in einem archäologisch ausgesuchten Terrain der Insel so zusammengestellt, dass das dreidimensional wirkende Wort HELP zu lesen war. Die Buchstaben waren 4 Meter hoch und ergaben in ihrer Gesamtheit eine Grundfläche von ca. 1.500 qm. Die Aktion gehört zu ihrem Gesamtprojekt Wasteland, das in mehreren Ausstellungsorten der USA und Europa zu sehen war.