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Das Erbe von Joseph Whitaker

Die Gegend zwischen Trapani und Marsala an der Westküste Siziliens ist bekannt für den traditionellen Salzabbau in Meersalinen und den berühmten Marsala-Süßwein, der in allen besseren Küchen der Welt als eine wichtige Zutat für delikate Speisen gefeiert wird. Eine Rinderzunge in Marsalasauce ist eines der bekanntesten Gerichte, die mit Marsala verfeinert wird. Vom Imbarcero Storico di Mozia gelangt man in einer knappen Viertelstunde mit einem kleinen Tuckerboot für Passagiere zur Insel Mozia (Motia, Mothia), auf der das Museo Whitaker beherbergt ist. Ein Museum, in dem Fundstücke der ehemaligen Besiedlung durch die Phönizier zu sehen sind, denn die Insel, die zu Fuß in einer guten Stunde zu umrunden ist, war eine kleine Stadt der Phönizier, die vor ca. 2800 Jahren dort gelebt haben. Auf der Insel entstand damals eine sehr große Töpfereifabrikation und auf dem gesamten Areal wurden in Ausgrabungen relativ gut erhaltene Gebauchsgegenstände und Grundmauern der ehemaligen Besiedlung gefunden. 

Das Museo Whitaker wurde vom Weingutbesitzer Joseph (Giuseppe) Whitaker gegründet, der sich als reicher Philantrop der Ornithologe und anderen naturwissenschaftlichen Studien widmete. Als Ornithologe kam er auf die Insel, um die Vielfalt der Vogelwelt zu studieren und war so begeistert, dass er 1888 die gesamte Insel kurzerhand kaufte, um dort seinen Neigungen in Ruhe und mit Akribie nachzugehen. Er errichtete einen Landsitz, der heute das Museum beherbergt. 

Joseph Whitaker wurde 1850 in Palermo geboren, aber dessen Ursprungsfamilie stammt aus der Grafschaft Yorkshire in Großbrittanien. Die Whitakers hatten früh erkannt, dass der Weinanbau in Sizilien eine gute Investition mit größten geschäftlichen Erfolgen sein würde und schufen ein Weinimperium, deren Weine in der ganzen Welt gehandelt wurden. In Palermo kann man heute noch die ausgesprochen gut erhaltene und prunkvolle Villa Malfitano besichtigen, die der Stammsitz der Familie war. Aber Whitaker zog es immer mehr in die Einsamkeit der Insel Mozia und hielt sich in den meisten Jahren seines Lebens  vorwiegend dort auf. Er erkundete die Vogelwelt und trieb die archäologischen Ausgrabungen voran, die aufgrund hervorragender Funde sehr erfolgreich waren.

Die Insel war unschwer zu finden. Wir fuhren die Autobahn bis kurz vor Trapani und gelangten über eine kleine Landstraße zum Anlegeplatz der Passagierboote, die für die Überfahrt zur Insel vor Anker lagen. Im Boot sitzend glitten wir an Windmühlen vorbei, die mit den abgesteckten Gemarkungen der Salinenbassins vor dem Festland verbunden waren. Unweit des Landungsteges betraten wir das weiträumige Gelände des ehemaligen Landsitzes und besichtigten das Museum. Absoluter Glanzpunkt aller archäologischen Fundstücke ist der unmittelbar hinter dem Eingang stehende Auriga de Mozia, eine Jünglingsskulptur aus Marmor im archaisch-ionischen Stil aus dem fünften Jahrhundert vor Chr. 1979. Die einzigartige Skulptur wurde unter dicken Lehmschichten während neuerer Ausgrabungen entdeckt. Der Marmorjüngling wurde 2012 anläßlich der Olympischen Spiele im British Museum in London in der Halle der Partenone ausgestellt.
Das Museo Whitaker bot eine reiche Sammlung Zeichen der antiken Perioden, als Phönizier, Etrusker und Römer auf der Insel gewirkt hatten: Vasen, Masken, Schmuck, Tonlampen, Amphoren, kleine Statuen,Waffen, Amulette und Skarabäen. Im Vorraum des Museums steht eine Modell der Insel, wo der Besucher die einzelnen Ausgrabungstätten maßstabsgetreu verorten kann, um später mit diesem navigatorischen Wissen über die Insel zu wandern. Während unseres Rundganges, haben wir uns alles genau angeschaut und sind nach ein paar Stunden wieder zurückgefahren, um auf der Rückfahrt die Tempelanlage bei Segesta zu besichtigen.

2012 wurde die monumentale Installation „Help, The age of Plastic“ der Künstlerin Maria Christina Finucci aufgestellt, die aus mehr als 5 Millionen farbigen Plastikflaschenverschlüssen besteht, die manuell von der Künstlerin und ihren Helfer_innen zusammengebaut und in Metallkäfige eingeschlossen wurden. Die gefüllten Gitterkästen wurden in einem ausgesuchten Terrain der Insel so zusammengestellt, dass das dreidimensional wirkende Wort HELP zu lesen war. Die Buchstaben waren 4 Meter hoch und ergaben in ihrer Gesamtheit eine Grundfläche von ca. 1.500 qm. Die Aktion auf Mozia gehört zu ihrem Gesamtprojekt Wasteland, das in mehreren Ausstellungsorten der USA und Europa zu sehen war.