Rom
Nachsätze eines Mitreisenden.
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Dies hier soll und kann keine neue Anmerkung werden, nur ein Nachsatz eines hilflosen Beeindruckten,
über seine ersten vier Tage in einer Stadt mit dem Namen Rom.
Gerd und Hetty haben nicht Tango getanzt.
Toubartz Handtasche ist nicht abhanden gekommen.
Es hat nicht nur geregnet und die Wartezeit bis zur Sixtinischen Offenbarung betrug in keinem Fall mehr als 135 Minuten.
Weniger hätte auch ein (vermisster) Fawzi A. nicht ertragen, auch wenn sich alles im Schatten von St. Peter ereignete.
Das aber begab sich erst (oder bereits) am zweiten Tage meiner Reise nach Rom, einer Liebe auf den ersten Blick –
nein, nicht zwischen Achim H. und Roséwein – eher zwischen meiner verhaltenen Erwartung und dem dann bis
heute unbegriffenen und imposanten Stadt mit ihren fabulösen, trotz rasenden Verkehres so friedlichen Ausstrahlung.
Scholls Blasenpflaster erlaubten, den schnellen Spurt über sieben Hügel. Der erste war der des Kapitols, man traf vorab
Michelangelo, dann die Reste des Foro Romano, später Alfredo als Kellner in der Cantina del Vecchio.
Über den hässlichen Gigantismus Vittorio Emanuele II legen wir den Mantel wilhelminischer Zurückhaltung und Bescheidenheit.
Den regnerischen Vatikanischen Museen folgte Peter’s Dom mit Benedikts Abwesenheit und allgegenwärtigen Schirmverkäufern.
Später, eine turbulente Piazza Navona mit einem Capucchino für 5 Euro, dafür aber laufwarm, immerhin. Carravaggio’s
unvergleichliche Lichtblicke in San Luigi die Francesi, eine von tausend Kirchen in Rom, das Pantheo mit einem
Loch im Dach, das allerdings erst ein aufmerksamer Jürgen entdeckte und befragte.
Der Abend im gruppengetrennten Genuss. Wieviel Flaschen Wein zuviel, auf welcher Rechnung?
Ein ewiges Ritual, als ewiges Geheinmis, in der ewigen Stadt.
Der Samstag wurde verniedlicht, statt Popo ... popolo.
Die Porto ..., die Piazza ... und die Sante Maria ... Auch hier der ungestüme Caravaggio,
der uns schließlich zur Spanischen Treppe entließ.
Der pulsierende Aufstieg zur Giorgio deChirico’s Wohnung.
Wunderbare Aussicht von dort auf üppige Dachgärten, erdtonige morbide Fassaden, blätternde Schlagläden,
geschäftiges Treiben, den sprudelnden Brunnen, auf dieses quirlige Rom und gelegentlich auch auf die Spanische Treppe.
Ach ja, die Bilder von deChirico. Hetty, verzeih. Dann doch lieber die turmlose Piazza di Spanga.
Der Aufstieg über deren Treppe ist schwierig, Platzmangel.
Der Gang über Bürgersteige auf dem Weg zur Villa Bernini windet sich um Hindernisse und Bettler
in gleichsam unerträglichen Körperhaltungen.
Und Verstümmelte, wie Überlebende aus Gladiatorenkämpfen.
Auch das ist Rom.
Der Spaziergang unter römischer Sonne und am Ende unter Schirmsypressen im Garten der Borghese.
Diese unbeschiedene Villa, so fragend befremdlich von aussen, so vollgeladen im Inneren, dennoch, die
Atemlosigkeit der Eindrücke fliesst digital in unsere Ohrmuschel. Meist durch die rechte, erstaunlich!
Eva, direkt im Ohr, Apoll und Daphne vor Augen, Bernini im Kopf, Triumvirat der Kunst?
Reiches, vergangenes Rom.
In memoriam Anita Eckberg und Dolce Vita, der Nachmittag am Fontana di Trevi, zwischen unzählbaren
Massen von Münzwerfern, zwei Hochzeiten.
Dem Tode durch Drängelei am Brunnen konnten wir entrinnen - ... passen Sie bitte auf Ihre Rucksäcke und
Handtaschen auf... – fanden uns in den wuseligen Seitenstrassen nahe der Piazza Navonna wieder.
Rom feiert das Wochenende. Auf, um und an seinem liebsten Platz du wir waren mittendrin.
Rom ist Leben.
Sonntags, durch diesen unscheinbaren kleinen Eingang – in einer unscheinbaren kleinen Fassade –
in diese riesengroße Kirche, mitten in die Messe, Santa Maria Maggiore. Eva musste flüstern,
konnte nicht so, wie sie wollte.
Und das alles, noch bevor man schließlich vier Gruppenmitglieder schamlos bei der Abreise
übersah und hilflos auf der Station Termini zurückließ.
Von dort, wo im Programm der Eva Colonia stand, dass es schließlich endlich, mit dem Zuge zum Flughafen gehe.
Egal, Zug, Taxi oder Metro. Ich wäre auch zu Fuß gegangen – nicht um endlich wegzukommen, eher wegen der
Option, noch einmal wiederkommen zu können. Natürlich mit Eva.
(Joachim Milbradt)
