Jahresrückblick 2007
Ein ereignisreiches Jahr geht zu Ende, Grund genug für einen kurzen Rückblick auf einige wichtige
Veranstaltungen, die in diesem Jahr unseren Geist und unsere Sinne berührten und beschäftigten.
Im Januar hatten wir noch die Gelegenheit, mit dem Sammler und Initiator der Museumsinsel Hombroich Karl-Heinrich
Müller ein sehr interessantes Gespräch zu führen. Niemand hätte zu diesem Zeitpunkt geglaubt, dass Karl-Heinrich Müller
im November des selben Jahres schon tot sein würde. Um so gewichtiger klingen seine Ausführungen über die „Jahreszeiten
des Lebens" noch im Ohr.
Seine Ideen und Visionen, die er in Form eines „offenen Versuchs" auf der Museumsinsel Hombroich und der nahe gelegenen Raketenstation mit viel Engagement umsetzte, werden weiterleben.
Das Museum Ludwig überraschte mit zwei großen Ausstellungen eines ungewöhnlichen Brüderpaares: Pierre Klossowski
und Balthus, die wir beide in unser Programm aufnahmen.Während der Philosoph, Schriftsteller, Übersetzer und bildende
Künstler Klossowski mit großen Zeichnungen, in denen eine subtile Erotik Vorstellung und Wirklichkeit auf neue Art
miteinander verknüpfte, präsentiert wurde, sind die wichtigsten Arbeiten Balthus’, große Leinwandbilder in altmeisterlicher
Manier, unter dem Thema „Aufgehobene Zeit" gezeigt worden. Beide Ausstellungen ließen uns eintauchen in das intellektuelle
Milieu der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts, welches noch heute – gerade wegen seiner Aktualität - eine große
Anziehungskraft ausübt.
Eine Erinnerung ist auch unser Abend zum Trickfilm wert, an dem uns Christian Asmussen (Produktionsleiter im TrickStudio
Lutterbeck) mit vielen anschaulichen Beispielen in die Welt des Trickfilms einführte.
Im Mai hatten wir Gelegenheit, die neue Leiterin des Kölnischen Kunstvereins Kathrin Jentjens bei einer Führung durch
die aktuelle Ausstellung des Kunstvereins kennen zu lernen. Der anregende Dialog weckte das Interesse für die Ideen und
Vorstellungen des neuen Leitungsteams.
Das interdisziplinäre Performance-Projekt MAKADAM von Angie Hiesl auf dem Brachgelände Dillenburger Strasse
sollte nicht in Vergessenheit geraten.
Auch wenn es zuerst fremd erschien, öffnete es einen weiten Horizont des Nachdenkens und Vorstellens.
Wie jedes Jahr gab es einen Rundgang an der Kunsthochschule für Medien in Köln, bei dem wir einen interessanten
Einblick in das Schaffen der Studenten/innen dieser für Köln so wichtigen Hochschule erhielten. Die Ideen einiger
Künstler/innen verfolgen wir in besonderer Weise, z.B. von Kerstin Ergenzinger, deren neuestes Projekt wir an einem
unserer Kunstnachmittage im neuen Jahr vorstellen werden.
Die Exkursion zur Dokumenta 12 gehörte sicherlich zu den Highlights unseres Programms. Eine profunde Führung brachte
uns das Konzept der Ausstellungsmacher näher und bot eine Grundlage für ein eigenständiges Urteil über dieses
Großereignis der Kunst.
An einem warmen Sommernachmittag im August begleiteten wir Walter Bruno Brix durch Köln und lernten so manchen Ort
unserer Stadt von einer ganz anderen Seite kennen. (Ausstellung „zugabe")
Neo Rauch im Max Ernst Museum in Brühl - eine außergewöhnliche Präsentation der aktuellsten Bilder Rauchs gaben
Anlass zu intensiven Diskussionen. Wir bieten auch in unserem neuen Programm eine Führung durch diese Ausstellung an.
Im November machten wir gemeinsam mit dem Kulturforum Köln auf eine unbekannte Stele aufmerksam, die Prof. Peter
Busmann in der Nähe des Domes initiierte. Diese Stele soll das Gedächtnis an den großen Mystiker und Prediger Meister
Eckhart wach halten, der hier in Köln gelehrt hat. Der spirituelle Rundgang in der Tiefgarage der „Senioren Residenz"
wird allen Teilnehmern in lebhafter Erinnerung bleiben.
Im Dezember zeigten wir in unserer neuen Reihe: Philosophie und Film, den sehenswerten Film „Antonias Welt". Das
anschließende Gespräch bestätigte, dass auch diese begonnene Reihe weitergeführt werden sollte.
Zuletzt seien unsere informativen Kunstseminare und spannende Philosophieabende erwähnt, die wir in regelmäßigen
Abständen in unseren Räumen durchführen. Es hat sich bereits eine kulturinteressierte Kommunikationsgemeinschaft
geformt, in der jeder willkommen ist.
Unsere Reisen in 2007
Der kurze Rückblick auf unsere Reisen 2007 kann nicht im Entferntesten die vielen interessanten und schönen Eindrücke dieser gemeinsamen Erlebnisse wiedergeben.Von Rom – wo wir uns so manches Mal als Pilger und Kenner der antiken und christlichen Wurzeln dieser Stadt gefühlt haben – behalten wir sicherlich die intensive Begegnung mit den Werken von Michelangelo, Raffael, Bernini und Caravaggio in Erinnerung. Unvergessen auch die beeindruckende Platzgestaltung des Kapitolshügels und des Peterplatzes mit dem Petersdom.
Die im barocken Glanze sich zeigende Villa Borghese mit ihrer Fülle an Plastiken und Bildern gehörte sicherlich zu den Highlights dieser Reise. Die Besichtigung des Wohn- und Atelierhauses von Giorgio de Chirico am Piazza die Spagna rückte die Kunst dieses surrealistischen Malers in ein neues Licht. Am Trevi-Brunnen haben wir heimlich alle eine Münze gelassen, denn das lässt uns irgendwie an ein Wiedersehen glauben.
Unsere Fahrt zur Art Basel war geprägt durch eine kaum zu steigernde, intensive Begegnung mit der zeitgenössischen Kunst. Nicht nur der Rundgang über diese wichtigste Kunstmesse, auch der Besuch der Fondation Beyeler mit einer spektakulären Munch Ausstellung, das Kennen lernen des Schaulagers, ein ungewöhnliches Sammlungs- und Präsentationsprojekt für zeitgenössische Kunst und schließlich der Besuch in Dornach, der Hochburg anthroposophischen Denkens und Forschens, fügen sich ein in unser wachsendes „Archiv im Kopf“.
Beide Städte: Paris und London, so gegensätzlich sie auch sein mögen, faszinierten durch lange in Erinnerung bleibenden Ausstellungen und Stadtinszenierungen. Unseren Rundgang im Louvre fokussierten wir dieses Mal bewusst auf die großen Meister der französischen Schule: David, Ingres, Delacroix und Géricault. Unerwartet und beglückend war auch unser Besuch im Musée de l’Orangerie, das wir als Gruppe eine kurze Zeit für uns alleine genießen konnten. Auch das Zeitgenössische kam nicht zu kurz: Die absolut sehenswerte Inszenierung der modernen Kunst im restaurierten Centre Pompidou ist ein „Muss“ für jeden Kunstliebhaber. Es bleibt noch an den Besuch im Musée de Cluny zu erinnern, wo Herz und Geist tief in die mittelalterliche Spiritualität eintauchten.
In London konnten wir die aufwendig inszenierte Ausstellung von Baselitz besuchen. Wir waren erstaunt und begeistert von dem selbstverständlichen Umgang der Menschen in London mit Kunst und Kultur. In allen Museen, deren Besuch nach wie vor kostenfrei ist, herrscht eine ungezwungene und interessierte Stimmung. Alle Altersstufen sind vertreten und man trifft Menschen aus den unterschiedlichsten Schichten der Bevölkerung. Das Britische Museum und die Nationalgalerie gehören nach wie vor zu den bedeutendsten Museen der Welt. Aber auch das Victoria & Albert Museum und die neue Tate waren für alle Mitreisende absolute Höhepunkte.
